Viele Top-Ergebnisse bei der deutschen Jugend-Meisterschaft
  08.09.2020

Holger Schmidt in der Kreiszeitung Böblingen vom 07.09.20: Leichtathletik: Die 400-Meter-Hürdenläuferin von der LG Gäu-Athletics sichert sich in einem Wimpernschlagfinale U20-Gold bei der deutschen Jugendmeisterschaft. Paul Specht vom VfL Sindelfingen nutzt fast eine Überheblichkeit des Kontrahenten noch aus.

Ein knappes Dutzend Teilnehmer aus Sindelfingen, Holzgerlingen, Leonberg und Renningen warteten bei den deutschen Leichtathletik-Jugendmeisterschaften U20 und U18 in Heilbronn mit einigen Top-Resultaten auf. Allen voran Hanna Render von der LG Gäu Athletics, die sich überraschend den Titel über 400 Meter Hürden U18 sicherte. Damit trat sie auch in die Fußstapfen der Renningerin Lisa Sophie Hartmann, die 2017 in Ulm den Titel in der gleichen Disziplin der U20 geholt hatte.

Mit dem viertbesten Ergebnis von 62,71 Sekunden war die Eltingerin in den Endlauf eingezogen. Schon das bedeutete persönliche Bestleistung. Noch einen draufsetzen konnte sie in der Entscheidung. Fast gleichauf überquerten mehrere Läuferinnen die letzte der zehn Hürden. Doch das beste Finish hatte Render. Mit 61,78 verbesserte sie sich um eine weitere Sekunde und nahm nach dem Zieleinlauf überglücklich die Gratulationen der zweit- und drittplatzierten Viktoria Heising (TLV Germania Überruhr/61,90) und Sabrina Heil (TSV St. Peter-Ording/61,92) entgegen.

Um ein Haar wäre es auch für den deutschen Jugendhallenmeister Paul Specht vom VfL Sindelfingen erneut Gold geworden. Der Sindelfinger lief immer an zweiter oder dritter Stelle des 15-köpfigen 5000-Meter-Feldes U20. Auch vom Vorstoß von Tom Förster (LG Vogtland) zwei Runden vor Schluss ließ er sich nicht aus dem Konzept bringen und lief unbeirrt weiter sein Tempo. Richtig zur Sache ging's dann auf den letzten 300 Metern. Yassin Mohumed (LG Olympia Dortmund), bis dahin im Duo mit Paul Specht unterwegs, stürmte unaufhaltsam an die Spitze. Aber auch der Schwabe flog an Tom Förster vorbei und blieb Mohumed - mit Abstand - auf den Fersen. Bereits 80 Meter vor der Ziellinie fing Mohumed an, sein Trikot zurechtzurücken und seinen scheinbar sicheren Sieg zu bejubeln. Der Blick des Führenden ging nach links über die Schulter, aber von rechts kam Paul Specht mit Riesenschritten im Endspurt immer näher. Fast konnte er die kleine Überheblichkeit seines Kontrahenten noch nutzen und sicherte sich am Ende mit nur 36 Hundertsteln Rückstand in 14:55,85 Minuten die Vizemeisterschaft. Damit machte der Schützling von Trainer Harald Olbrich nach Gold in der Halle und Bronze im Cross zum Abschluss einer schwierigen, aber erfolgreichen Saison mit Bestzeiten auf allen Laufstrecken den Medaillensatz komplett.

Nina Wallert läuft in der U18 nur knapp am Siegerpodest vorbei

Als Vierte nur knapp am Siegerpodest vorbei lief über 2000 Meter Hindernis in der U18 Nina Waltert. Die ehemalige Vaihingerin blieb mit 7:00,94 knapp über sieben Minuten. Lediglich ein Trio, angeführt von der neuen deutschen Jugendmeisterin Ronja Funck (TV Jahn Walsrode/6:50,05), unterbot die Marke, alle anderen blieben über 7:05 und noch weiter zurück. In der U20 kam Vereinskameradin Kim Bödi auf 6:57,72. Das bedeutete Rang fünf unter acht Läuferinnen, der Titel ging in überragenden 6:33,70 an Olivia Gürth (Diezer TSK Oranien). Ebenfalls Fünfte wurde im Hochsprung U18 Hanna Render. Sie überquerte wie drei Mitstreiterinnen 1,68 Meter, drei Zentimeter mehr hätten zum Treppchenplatz gereicht.

Weniger gut zurecht kam an gleicher Stelle dagegen Mia Jurenka vom VfL Sindelfingen. Über 3000 Meter U20 konnte die Fünfte der diesjährigen Crosslauf-Meisterschaften ihre bisherigen guten Bahnergebnisse nicht bestätigen. Die schon unterbotene Zehn-Minuten-Grenze blieb diesmal mit 10:02,98 außer Reichweite, und mehr als der elfte Platz war im 13er-Feld nicht drin. Das gleiche Ergebnis erzielten mit 13,45 Metern im Dreisprung U18 Robin Eibner (LG Gäu Athletics) ebenso wie sein gleichaltriger Vereinskamerad Hans Leon Schmid, der 9:43,08 Minuten für die 3000 Meter benötigte. Über 1500 Meter schlug die Stunde von Tim Hofmann. Im taktisch geprägten Finale machte der ehemalige Gerlinger im Trikot des VfL Sindelfingen alles richtig. In einem packenden Finish schaltete er den Turbo ein und stürmte auf den letzten Metern nach 4:15,32 Minuten von der fünften Position zur Bronzemedaille. Hauchdünne sechs Hundertstel vor Platz vier, und nach ganz vorne fehlten auch nur sieben Zehntelsekunden.

Gar nur neun Hundertstel trennte Luise Eisenmann vom Einzug ins 800-Meter-Finale. Nach zwei Fehlstarts tat sich im entscheidenden Moment keine Lücke auf, um auf der Zielgeraden ihre eigentliche Stärke, den Endspurt, auszuspielen. Gleichfalls knapp am Endlauf vorbei schrammte in persönlicher Bestzeit von 57,72 Sekunden über 400 Meter Hürden U18 Ole Schittenhelm von der SpVgg Holzgerlingen. Eric Joos vom VfL Sindelfingen erzielte ebenfalls im Vorlauf 11,14 Sekunden, die insgesamt 17.-beste Zeit von 26 100-Meter-Sprintern U20.

Den silbernen Schlusspunkt unter die vielen Top-Resultate für die Starter aus dem Kreis Böblingen setzte im Weitsprung Robin Eibner von der LG Gäu Athletics. Vorne ließ der einzige Sieben-Meter-Springer im Feld, Oliver Koletzko (Wiesbadener LV) mit einem Satz auf 7,46 nichts anbrennen. Aber dahinter zeigte sich auch Eibner auf den Punkt in Bestform. Im Zentimeter-Duell brachte der 17-Jährige auch ohne Windunterstützung mit 6,94 eine neue Bestweite in die Grube. Es reichte, um sich im Kampf um Platz zwei gegen die weiteren Medaillenkandidaten Jan Wiese (LG Ahlen/6,93) und Fynn-Henry Khoungkhakoune (Berliner SV 1892/6,91) hauchdünn durchzusetzen.

erstellt von Holger Schmidt für die Kreiszeitung Böblingen


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