Trotz Corona wartet die neue Saison
  11.12.2020

Dominique Jahn von der Pforzheimer Zeitung am 09.12.20: Amtierende Deutsche Meisterin: Hürdenläuferin aus Öschelbronn bereitet sich trotz Corona auf neue Saison vor

Niefern-Öschelbronn. Wenn morgen die Olympischen Spiele in Tokio stattfinden würden – Carolina Krafzik wäre dabei. Die 400-Meter-Hürdenspezialistin ist zwar noch nicht die Olympia-Norm (55,40 Sekunden) gelaufen, doch mit Rang 35 in der Weltjahresbestenliste von World Athletics würde sich die Öschelbronnerin (aktuelle Bestzeit: 55,64 Sekunden) automatisch für die Spiele in Japan qualifizieren. Wer einen Platz unter den ersten 40 belegt, ist mit dabei. Sollten also keine Wettkämpfe bis zum Sommer 2021 stattfinden, zählt das World-Ranking als Qualifikation.
Olympiasieger der Spiele von Rio 2016 erhalten automatisch eine Wildcard.
Auf eine Qualifikation durch die Weltjahresbestenliste will sich Carolina Krafzik aber nicht verlassen. Die amtierende Deutsche Meisterin über 400 Meter Hürden will die Norm knacken. „Natürlich so früh wir möglich“, sagt die Athletin des VfL Sindelfingen. Allerdings weiß auch sie wie alle anderen Leichtathleten nicht, wann wieder Wettkämpfe stattfinden. Die Corona-Pandemie bremst die Sportler weltweit aus. Die letzten Wettkämpfe fanden im Herbst statt. Im neuen Jahr sollen die Meetings im Freien vermutlich ab März/April starten. Indoor-Veranstaltungen sind für Carolina Krafzik weniger interessant, weil die 400 Meter Hürden hier nicht gelaufen werden.

Referendarin in Wimsheim.
Die Vorbereitung auf die neue Saison ist bei der Öschelbronnerin voll im Gange. Dabei gilt es Sport und Beruf gut unter einen Hut zubekommen. Für Carolina Krafzik kein Problem. Seit Februar ist sie Referendarin an der Grundschule in Wimsheim. Unterrichtet dort in einer 4. Klasse Deutsch und Sport. Das heißt, sie muss viel planen und organisieren, schließlich stehen immer wieder Unterrichtsbesuche am Vormittag an. Nachmittags düst die Sportlerin dann täglich zum Training nach Sindelfingen – derzeit auch zum Glaspalast – oder zum Olympiastützpunkt nach Stuttgart. Samstags absolviert sie zusätzlich noch Ausdauereinheiten im Wald.

Die Doppelbelastung Beruf und Sport sei schon „sehr anspruchsvoll“, sagt sie. „Man muss gut strukturiert sein.“ Doch wer Carolina Krafzik kennt, der weiß, sie bekommt das alles gebacken. „Ich bin belastbar. Mir macht das nichts aus“, sagt die stets gute gelaunte Sportlerin im Gespräch mit der PZ.

Hat Sie eigentlich Angst vor Corona? Schließlich hat sie täglich in der Klasse 16 Kinder um sich herum. „Angst? Nein!“, sagt sie. In der Schule halte man sich streng an die Hygienevorschriften, die Laufwege seien vorgegeben, im Schulhaus herrsche Maskenpflicht und in der Sporthalle würden die Geräte ständig desinfiziert. „Ich mache meinen Job unheimlich gerne“, sagt Carolina Krafzik, „man muss eben – egal, wo man ist – achtsam sein.“
Vorsichtig ist sie – und enorm trainingsfleißig sowieso. Freizeit ist für sie momentan ein Fremdwort. Ihr Leben ist voll und ganz ausgerichtet auf die Spiele im kommenden Jahr. Vor Kurzem wurde sie – wie auch der Pforzheimer Constantin Preis – vom Deutschen Leichtathletik-Verband in den Elite-Kader aufgenommen. Das heißt, Carolina Krafzik bekommt hinsichtlich Training sowie medizinischer Betreuung noch mehr Unterstützung vom DLV. Regelmäßig wird sie auch auf Corona getestet und darf Anträge auf Sportreisen stellen. Im Januar steht mit dem Nationalteam ein Trainingslager in Südafrika an. Auch dort heißt es für Krafzik: Kraft tanken für Tokio.

Thomas Bach versprach ja kürzlich, dass die Spiele auf jeden Fall stattfinden werden. Zu den deutschen Athleten hält der IOC-Präsident
auch ständig Kontakt. Wenn es Neuigkeiten gibt, ruft Carolina Krafzik die Videobotschaften des IOC-Bosses auf den Athleten-Plattformen im Internet ab.
Großer Traum
An Motivation mangelt es ihr selbstverständlich nicht. Mit der Olympia-Teilnahme würde für die 25-Jährige ein großer Traum in Erfüllung gehen.
Nach dem Karriereende von Jackie Baumann ist Carolina Krafzik die beste deutsche 400-Meter-Hürdenläuferin. Baumann beendete mit
24 Jahren vor der DM in diesem Jahr in Braunschweig überraschend ihre Karriere. Der ständige Druck wurde ihr zu viel. Wie geht Carolina Krafzik mit dem Druck um? „Ich habe auch Druck, wenn ich am Start stehe“, sagt sie. „Doch ich habe mittlerweile eine gute Routine entwickelt. Ich kann mich gut fokussieren. Man muss an sich glauben.“ Und der Glaube versetzt ja bekanntlich Berge. Wer zudem noch top vorbereitet ist, kann mit großem Selbstvertrauen ins Rennen um Gold, Silber und Bronze gehen. Carolina Krafzik strotzt geradezu vor Selbstvertrauen.

Auch rund um die Feiertage hat sie sich einen bis ins Detail durchdachten Trainingsplan zusammengestellt. An Heiligabend wird sie vormittags noch trainieren. Ebenso an Silvester. Nur am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag wie auch an Neujahr hat sie sich mal nichts vorgenommen.
Und was ist mit dem üppigen Weihnachtsessen, das die Mutter wie immer kredenzen wird, muss die ernährungsbewusste Athletin darauf verzichten? „Ach was“, sagt Carolina Krafzik mit einem herzhaften Lachen:


„Weihnachten ist Weihnachten – da wird ordentlich gegessen!“

 

Dominique Jahn von der Pforzheimer Zeitung am 09.12.20

erstellt von Dominique Jahn, Pforzheimer Zeitung vom 09.12.20

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