Talentjäger und Meistermacher
  09.10.2020

09.10.2020: Saskia Drechsel in der SZBZ vom In der 13. Folge geht es um die Trainer des VfL Sindelfingen.

Der VfL Sindelfingen hat viele Trainer, die mit viel Leidenschaft den Leistungssport im Verein erst ermöglichen: Werner Späth, Sebastian Marcard, Peter Salzer, Peter Wiesner und Stephanie Kampf, die Allrounder Jan-Eric Gans, Ralf Breitmaier, Hannes Weber und Hans-Jürgen Burgstahler, Kraftexperte Helmut Walentin oder die Ausdauerspezialisten Harald Olbrich, Werner Retzbach und Olaf Labrenz.

Die Blau-Weißen ohne Trainer Werner Späth kann sich keiner vorstellen. Seit 1971 betreut Späth zahlreiche Sprinterinnen und Sprinter, ob über die Hürden oder die flache Distanz. Sechs schafften es bis zu Olympischen Spielen. Damit ist der nun 76-Jährige der mit Abstand erfolgreichste Trainer der Abteilung. Der ehemalige Sprintbundestrainer war für seine Schützlinge mehr als nur ein Trainer.

Erfolgsgeschichte

Zu Beginn seiner Trainerlaufbahn mit 21 Jahren entdeckte er in Holzgerlingen das Talent Elfgard Weismann, die im Jahr 1971 mit Bronze bei den Europameisterschaften über 100 Meter ihre erste internationale Medaille holte und 1972 bei Olympia in München durch Verletzungspech die 4x100-Meter-Goldmedaille verpasste. Im Vorlauf war sie dabei. Die nächste Erfolgsgeschichte folgte nur wenige Jahre später. Als Jugendliche wechselte Heidi-Elke Gaugel, später Hudak, zum VfL Sindelfingen. Gemeinsam erlebte das Duo in zwölf Jahren Höhen und Tiefen. „Wenn es mir nicht gut ging, hat er mir das am Gesicht angesehen, wenn der Erfolg nicht kam, hat er sich viele Gedanken gemacht, woran es liegen kann“, sagt Hudak, die es unter dem engagierten Trainer zur Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Los Angeles schaffte. Nach großen Erfolgen als Vereinstrainer stieg Späth im Jahr 1987 zum Sprinttrainer des weiblichen deutschen Olympiakaders auf und coachte bei der WM in Rom Ulrike Sárvári, Andrea Thomas und die 4x100-Meter-Staffel. Ein Jahr später in Seoul betreute er Ulrike Sárvári und die 4x100-Meter-Staffel (Platz vier) mit Sárvári und Andrea Thomas. Aktuell darf sich mit Carolina Krafzik erneut eine seiner Athletinnen Hoffnung auf einen Olympia-Start machen.

Auch Harald Olbrich zählt zu den Sindelfinger Trainer-Urgesteinen. 1985 wechselte er als talentierter Mittelstreckenläufer zum VfL Sindelfingen unter die Fittiche von Helmut Starzmann. In seiner aktiven Zeit gewann er zwei Medaillen bei deutschen Meisterschaften und hält noch immer den Vereinsrekord über 1500 Meter.

Treue Begleiter

1991 übernahm er, gemeinsam mit seinem früheren Trainer Starzmann, die Mittelstrecken-Gruppe. „Als Trainer begleitet man junge Menschen in einer sehr wichtigen Zeit ihrer Entwicklung. Es ist toll, zu sehen, wie sich die Athleten entwickeln, wie sie mit Erfolgen oder Niederlagen umgehen“, sagt Olbrich. Sein erfolgreichster Athlet war Alexander Schwab mit der Bronzemedaille bei den Junioren-Europameisterschaften 2011. Ein ehemaliger Schützling, Philipp Pflieger, konnte sich zu einem Läufer der deutschen Spitzenklasse entwickeln, 2016 startete er bei den Olympischen Spielen über die Marathon-Distanz.

Besonders in Erinnerung geblieben ist Harald Olbrich aber ein anderer Moment: „Als Karlo Petri Baden-Württembergischer Meister über 1500 Meter wurde. Es war sein größter Einzelerfolg. Da musste ich auf die Seite gehen, weil ich geflennt habe. Ich wusste, was das für Karlo an Wert hatte.“

Mit voller Familien-Power stieß Peter Wiesner zum VfL Sindelfingen. Als er 2002 eine Lehrerstelle am Pfarrwiesen-Gymnasium antrat, wurden auch gleich Frau Anna und die Söhne Johannes und Lukas beim VfL Sindelfingen angemeldet. Seine Trainerlaufbahn begann Wiesner bei den Speedys.

„Ab 2010, damals hat Jürgen Schneider seine Trainertätigkeit in Sindelfingen beendet, trainiere ich sechs Mal in der Woche die Jugendlichen und Aktiven Sprinter beim VfL Sindelfingen.“ Wiesners schnellster, von ihm entdeckter Athlet ist Deniz Almas. Der Weltmeister mit der U23-Staffel des DLV ist aktuell Deutscher 100-Meter-Meister und Deutschlands Sprint-Nachwuchshoffnung mit einer Bestzeit von 10,08 Sekunden. Allerdings nun im Trikot des VfL Wolfsburg.

Ab nach Doha

Sebastian Marcard durfte erst im vergangenen Jahr seinen größten Trainer-Erfolg feiern. Schützling Constantin Preis wurde Deutscher Meister über die 400-Meter-Hürdenstrecke und trat bei den Weltmeisterschaften in Doha an. „Das Besondere ist für mich, ist, dass ich die Möglichkeit geschenkt bekomme, junge Menschen in ihrer sportlichen, aber auch menschlichen Weiterentwicklung zu begleiten. Dies macht mir extrem viel Spaß.“ Sein Ziel für 2021: Constantin Preis qualifiziert sich für die Olympischen Spiele.

 

Saskia Drechsel berichtet für die SZ/BZ seit Jahren aus der Leichtatathletik-Szene.


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