Silber im Gepäck, Kenia und Tallinn im Blick
  08.09.2020

Saskia Drechsel in der SZBZ vom 08.09.20: Es war eine schwierige Saison für die Sportler im Land, doch die Sindelfinger Leichtathleten haben das Beste daraus gemacht. Das wird nicht zuletzt an den Ergebnissen der Deutschen Jugendmeisterschaften in Heilbronn deutlich.

Mit zwei Medaillen und zwei Top-Fünf-Platzierungen waren gerade die VfL-Läufer erfolgreich wie lange nicht mehr.

Das Highlight aus Sindelfinger Sicht war der 5000-Meter-Lauf von Paul Specht. Der 18-Jährige ging als einer der Favoriten ins Rennen, konnte er doch in der bisherigen Saison mit vielen starken Bestleistungen überzeugen. Für die fünf Kilometer lange Strecke hatte er sich entschieden, um den Wettkampf in die Vorbereitung für 2021 zu integrieren. Bereits diese Woche geht es ins Höhentrainingslager nach St. Moritz.

Das Rennen begann in einem typisch langsamen Meisterschaftstempo, ehe Tom Förster das Tempo verschärfte und plötzlich niemand mehr folgen konnte. „Paul hat in dem Moment geschlafen, sonst hätte er das Rennen gewinnen können. Aber es war ein toller Lauf“, sagt Trainer Harald Olbrich. Auf den letzten 400 Metern ging dann die Post ab. Gemeinsam mit Yassin Mohumed machte sich Specht auf die Jagd, das Duo zog am bis dato Führenden vorbei und duellierte sich bis zur Ziellinie. Als Mohumed schon jubelte, witterte der Sindelfinger seine Chance und gab Vollgas. Gerade noch rechtzeitig bemerkte aber Yassin Mohumed seinen Fehler und zog an, Specht zog knapp den Kürzeren und gewann den Vizemeistertitel.

„Er hat mich wohl gehört“

„Silber ist natürlich schön und mein Lauf war ganz gut, aber jeder der mich kennt weiß, dass ich nicht zu hundert Prozent zufrieden bin, eben weil es so knapp war“, sagt der VfL-Sportler. „Am Anfang habe ich abreißen lassen, dann ist Yassin 450 Meter vor Schluss vorbei. Ich habe auf der Zielgeraden gemerkt, ich komme ran, aber er hat mich wohl kommen gehört.“

Ohnehin war es eine herausfordernde Leichtathletiksaison in Pauls Spechts jungem Athletenleben. War zu Jahresbeginn noch das große Ziel, sich für die Jugend-Weltmeisterschaften zu qualifizieren, wurden diese Pläne schnell durcheinander geworfen. „Ich bin dennoch mit meiner Saison zufrieden. Ich habe mich auf allen Strecken verbessert, nur am Schluss war es mit dem langen Fokus auf die Deutschen Meisterschaften etwas zäh. Ich musste sogar im Familienurlaub trainieren“, erzählt Specht.

Nun stehen, wenn diesmal alles nach Plan läuft, eben für 2021 große Ereignisse bevor. Die Jugendweltmeisterschaften im Läufermekka Kenia wurden um ein Jahr verschoben, wenig später stehen die U20-Europameisterschaften in Tallinn an. „Ich würde gerne an beiden Meisterschaften teilnehmen, wenn ich mich qualifiziere. Auch wenn ich in Talinn sicher bessere Chancen hätte. Vielleicht müssen wir uns aber auch für einen Wettbewerb entscheiden, das weiß ich noch nicht“, sagt Paul Specht.

Eine überraschende Bronzemedaille gewann Tim Hofmann. Der Mittelstreckenläufer war erst vor einem Jahr aus Gerlingen zum VfL Sindelfingen gestoßen und gewann in der Halle den süddeutschen Meistertitel. Eine Verletzung im Oberschenkel bescherte dem U18-Mann allerdings einen deutlichen Trainingsrückstand.

Die Qualifikation für Heilbronn gelang, weil in dieser Saison ausnahmsweise auch die Zeiten aus der Halle zählen. Souverän lief Hofmann am Freitag in das 1500-Meter-Finale der U18, der Endlauf am Samstag war dann ganz nach dem Geschmack des 17-Jährigen. „Ich mag es, wenn die Läufe taktisch sind. Nach 1000 Metern ging es ab, ich musste mich erst durchkämpfen, bis ich auf eine gute Position kam und bin dann hinterher“, sagt Tim Hofmann (Bild: z). Auf den letzten hundert Meter gab der Sindelfinger nochmal Vollgas und setzte sich im Kampf um Bronze mit 4:15,32 Minuten knapp durch.

Mit zwei Bestleistungen glänzten die beiden VfL-Hindernisläuferinnen Nina Waltert und Kim Bödi und steigerten sich jeweils um mehrere Sekunden. Nina Waltert betrauerte nach ihrem Lauf, einem ungewöhnlich schnellen Rennen in der U18-Klasse, noch kurz die verpasste Medaille. Mit ihrem vierten Platz kann sie aber sehr zufrieden sein. „Respekt, dass Nina das mental durchgestanden hat. Sie hat ein sehr breites Spektrum. Wir werden sehen ob sie bei der Hindernisstrecke bleibt“, sagt Trainer Olbrich. Auch Kim Bödi, die noch vor einiger Zeit über die 400-Meter-Hürdenstrecke an den Start gegangen war, ist in der nationalen U20-Spitze über die deutlich längere Hindernisstrecke angekommen. Sie knackte erstmals die 7-Minuten-Marke und lief auf einen guten fünften Platz.

Zu kämpfen hatte Mia Jurenka über die 3000-Meter-Strecke. Das Nachwuchstalent bestreitet erst seit diesem Jahr Bahnrennen und war zur Sindelfinger Laufgruppe um die Trainer Harald Olbrich, Olaf Labrenz und Werner Retzbach gestoßen, um sich für den schulischen Cooper-Test die nötige Ausdauer zu holen. In Heilbronn legten die Favoritinnen ein mächtig schnelles Rennen vor. Als Elfte lief Jurenka nach 10:02,98 Minuten ins Ziel.

Luise Eisenmann verpasste über die 800 Meter in 2:15,23 Minuten die Finalqualifkation knapp. Nah an seine Bestleistung heran lief Eric Joos. Der Sprinter war über die 100-Meter-Strecke 11,14 Sekunden schnell.

erstellt von Saskia Drechsel für die SZBZ


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