Schwäbische Hilfe auf dem Weg zum Gipfel
  25.10.2022 •     Pressemitteilung

Ewald Walker in der SZBZ vom 25.10.2022: Der Schweizer Zehnkämpfer und Weitspringer Simon Ehammer, Vizeeuropameister und WM-Dritter, trainiert regelmäßig am Bundesstützpunkt in Stuttgart.

Die Schweiz feiert ihre Helden. Einen wie ihn hat es dort noch nicht gegeben, sagen die Experten. Simon Ehammer, Zehnkämpfer und Weitspringer im Speziellen, lieferte in einer turbulenten Saison eine fast unglaubliche Erfolgsgeschichte ab. Er holte Silber bei der EM in München und der Hallen-WM im serbischen Belgrad und schrieb bei der WM in Eugene (USA) Sportgeschichte: Als erster eidgenössischer Zehnkämpfer überhaupt holte er mit Bronze in einer Einzeldisziplin eine WM-Medaille. Schließlich stellte er beim Mehrkampf-Meeting im österreichischen Götzis mit 8,45 Metern einen Weitsprung-Weltrekord innerhalb eines Zehnkampfs auf.

„Das war schon fast surreal“, schaut Ehammer auf seine Erfolge und gibt sich sehr ehrgeizig. „Ich will der erste Mensch sein, der neun Meter weit springt und zudem im Zehnkampf die 9000 Punkte schafft.“ Zur Einordnung: Mike Powell (USA) hält seit 1991 mit 8,95 Meter den Weitsprung-Weltrekord, erst vier Zehnkämpfer haben bislang 9000 Punkte erreicht.

Auf dem Weg zu solchen Gipfeln hat sich der Himmelsstürmer aus dem Appenzeller Land schon mehrfach Unterstützung in Stuttgart geholt. Im Rahmen einer Kooperation zwischen Landessportverband (LSV) und Swiss Athletics war Ehammer wiederholt am Bundesstützpunkt in Stuttgart zu Gast und trainierte hier bei renommierten schwäbischen Trainern. Bei Hürdenexperte Sven Rees nahm der Schweizer eine Rhythmusveränderung vor, bei Landestrainerin Jennifer Hartmann holte er sich Impulse in Sachen Hochsprungtechnik, bei Kugelstoß-Experte Peter Salzer ging es um Technikschulung in den Würfen. Denn schon bei der EM in München zeigte sich, dass der Schweizer bei Diskus und Kugel die entscheidenden Punkte gegen Europameister Niklas Kaul (Mainz) verloren hatte.

„Wir sind in Stuttgart sensationell willkommen“, beschreibt Simon Ehammer die Unterstützung in der Landeshauptstadt, „und auch die Infrastruktur in der Molly-Schauffele-Halle ist top.“ Seine beiden Trainer Rene und Karl Wyler unterstreichen die außergewöhnlich gute Zusammenarbeit. Eine Konkurrenzsituation zum deutschen Welt- und Europameister Niklas Kaul sei nirgends spürbar.

Der Einfluss deutscher Trainer auf die Schweizer Leichtathletik hat Tradition. Herbert Czingon (Mainz), ehemaliger DLV-Cheftrainer, war auch jahrelang für Swiss Athletics verantwortlich. Valerij Bauer wirkte in Mannheim maßgeblich an der Entwicklung von Hallenweltmeisterin Mujinga Kambundji mit, Patrick Saile (Winterbach) ist als Schweizer Nationaltrainer im Sprint tätig.

„Wir freuen uns, wenn unsere Expertise auch außerhalb von Stuttgart gefragt ist“, sagt Leistungssportdirektor Sven Rees. Christian Taylor (USA), Doppelolympiasieger und vierfacher Weltmeister im Dreisprung, war ebenso am Stuttgarter Stützpunkt zum Training zu Gast wie der kubanische Weitsprung-Hallenweltmeister Juan Miguel Echevarra. Und Rees selber betreute mit Lisa Urech und Noemi Zbären zwei Schweizer Hürdenrekordlerinnen. „Auch wir profitieren von der Trainingskooperation mit den Schweizern direkt“, sagt Rees. Zweimal jährlich fahren baden-württembergische Nachwuchstalente in das nationale Trainingszentrum am Lago Maggiore.

„Sie sind der Simon Ammann, gell?“, wurde Simon Ehammer zuletzt von einer älteren Dame auf der Straße angesprochen. „Nein, ich fliege zwar auch, aber nicht ganz so weit wie der“, antwortete der 22-Jährige lächelnd. „Ich bin im Herzen Zehnkämpfer“, gesteht er und hat dennoch auch weiterhin Doppelstarts im Zehnkampf und Weitsprung im Kopf. Bei den Meetings in Ratingen, Götzis und bei der WM in Budapest (19. bis 27. August 2023) stehen Zehnkämpfe auf dem Programm, dazwischen bei der Diamond League der Weitsprung. Und da will er kräftig Sand aufwirbeln.

Auf dem Weg zum 9000-Punkte-Gipfel muss Simon Ehammer weiter an seinen Schwächen bei den Würfen arbeiten. Dafür wird er zu weiteren Trainingseinheiten vom Appenzeller Land an den Neckar reisen. Ein wichtiger Fixpunkt sind für Ehammer die Olympischen Spiele 2024 in Paris. „Ich will Olympiagold“, ist sein klares Ziel. Er wäre der erste Schweizer Olympiasieger in der Leichtathletik. Die Frage nach Simon Ammann würde sich dann wohl erübrigen.

Bilder aus dem Artikel der SZBZ vom 25.10.2022

erstellt von Ewald Walker in der SZBZ vom 25.10.22 / Dieter Locher

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