Schnell laufen geht nur auf der Rundbahn
  18.05.2020 •     Pressemitteilung TOP-Nachricht

Holger Schmidt für die Kreiszeitung Böblingen am 18.05.20: Mehrere kleine Grüppchen mit maximal fünf Personen tummeln sich im weiten Rund des Sindelfinger Floschenstadions. Seit einer Woche ist dort unter strengen Auflagen und mit viel Abstand das Leichtathletiktraining für den VfL Sindelfingen wieder möglich.

Vor allem die Sportlerinnen und Sportler, die nicht nur laufen, sondern sich den Wurf- und Sprungdisziplinen verschrieben haben, sind froh, nach wochenlanger Abstinenz endlich auf ihre gewohnte Trainingsanlage zurückkehren zu können.

So weit ein kleines Stück Normalität - und doch ist alles anders. Ein Lied davon singen kann vor allem Trainer Peter Wiesner. Gehörte er doch selbst gemeinsam mit seiner Frau Anna, ebenfalls Leichtathletiktrainerin beim VfL Sindelfingen, und einem seiner beiden Söhne zu den vergleichsweise wenigen Corona-Kranken im Kreis Böblingen. Die beiden Erwachsenen husteten, der Sohn hatte keine Symptome, aber die Tests zeigten: Alle drei waren Corona-positiv. Die notwendige Quarantäne zusammen mit dem zweiten Sohn, der sich nicht ansteckte, überstanden sie gut. Zumal Peter Wiesner als Lehrer zu der Zeit ohnehin bestenfalls im Homeoffice arbeiten konnte.

"Wir haben alle trainiert", schildert er die schwierige Zwangspause für die Nachwuchssportlerinnen und -sportler, die er trotz Stadionschließung weiter mit Trainingsplänen versorgte. Klar ist für den Coach aber auch: "Wer schnell laufen will, muss auf die Tartanbahn." So nimmt er es auch gerne in Kauf, seine bisherige Gruppe jetzt mit der Stadionöffnung in zwei zu teilen, und damit die neuen Regeln zu befolgen, unter denen überhaupt wieder ein Bahntraining möglich ist.

An den beiden sportlichen Leitern Jan Erik Gans und Peter Kloth war es, die Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg sowie das Schutzkonzept der baden-württembergischen Leichtathletik in die heimischen Gefilde zu übertragen, um in enger Absprache mit der Stadt Sindelfingen den Neubeginn des regelmäßigen gemeinsamen Trainings zu ermöglichen. Die wichtigsten Punkte: Training nur in Fünfergruppen, Abstand halten, kein Kontakt der Gruppen untereinander, keine Benutzung der Umkleiden und Duschen und natürlich auch keine Zuschauer im Stadion.

Es herrscht weiterhin großer Unmut über die Einschränkungen

So liegt der Beginn des Trainings aktuell irgendwo zwischen Spießrutenlauf und Hochsicherheitstrakt. Alle Teilnehmer müssen sich - selbstverständlich ausgestattet mit Mundschutz - vorher mit Namen und Telefonnummer in ausliegende Listen eintragen und ihre Hände desinfizieren. Das gilt auch für alle benutzten Geräte wie Hürden, Kugeln oder Speere, vorher und nachher. "Seid Vorbild, haltet euch an die abgestimmten Regeln und handelt verantwortlich", appellieren Gans und Kloth zusammen mit Abteilungsleiter Jürgen Kohler an Trainer und Athleten. Wie glücklich viele trotzdem sind und wie groß der Leidensdruck, zeigt sich auch daran, dass die unverdrossenen VfL-Mehrkämpfer sich selbst vom Dauerregen ihren Neustart im Stadion nicht nehmen und vermiesen ließen.

Was manch andere Leichtathletik-Vereine im Land dagegen von den Auflagen halten, verdeutlichen Stimmen wie die des Kreisvorsitzenden Uwe Koblizek von der Ostalb. "Wir haben uns entschieden, das Training vorerst nicht wieder aufzunehmen", heißt es aus Aalen, einer Hochburg vor allem im Laufbereich, "Wettkämpfe sind unter diesen Umständen nicht durchführbar." Und auch VfL-Trainer Peter Wiesner sieht die derzeitige Situation, so glücklich er über die Stadion-Wiedereröffnung ist, auch mit einem weinenden Auge: "Die noch länger andauernden Beschränkungen schaden dem gesamten Sport." "Die Sportler brauchen eine Perspektive, dass noch in diesem Sommer Wettkämpfe stattfinden können", pflichtet ihm seine Kollegin Rebecca Weiser bei, die zuvor die U16-Leistungsgruppe beim zweiten Training nach wochenlanger Zwangsabstinenz im Sindelfinger Floschenstadion angeleitet hat. "Da gehen uns sicher einige Aktive und Talente verloren", blickt Coach Wiesner nachdenklich in die Zukunft.

erstellt von Holger Schmidt


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