Mit Akribie und neuem Coach zur Nummer 1
  16.08.2019 •     Wettkampf Pressemitteilung

SZBZ vom 16.08.-Saskia Drechsel: Systematisch und ausdauernd hat er jahrelang daran gearbeitet, Deutschlands Nummer 1 im Kugelstoßen zu werden. Seit den deutschen Meisterschaften Anfang August in Berlin hat er dieses Ziel erreicht. Doch der Titel soll für Simon Bayer in diesem Jahr nur eine Durchgangsstation sein, längst sind die Ziele größer geworden.

Es war ein souveräner Auftritt im Berliner Olympiastadion vor mehr als 60 000 Zuschauern. Simon Bayer war als Favorit angereist, schließlich hatte er bei den baden-württembergischen Meisterschaften in Walldorf erstmals die 20-Meter-Marke überboten und sich damit an die Spitze der deutschen Bestenliste gesetzt.

Training mit Ryan Whiting

Trotz mehrerer Verletzungen in der Vorbereitung ist der 23-Jährige so fit wie noch nie. Das liegt auch an einem Trainerwechsel, mit dem der Sindelfinger neue Wege gegangen ist. In einem Trainingslager im Drehstoßland Nummer eins hat sich Bayer auf die Saison vorbereitet, und zwar mit keinem geringeren als dem zweifachen Hallenweltmeister Ryan Whiting und dessen Trainingsgruppe.

„Mein neuer Trainer übernimmt meine Trainingsplanung, Artur Hoppe bleibt nach wie vor ein Berater, der vor Ort schaut, dass die Technik stimmt. Ich werde versuchen, dass ich zweimal im Jahr nach Arizona ins Trainingslager fliege, um mit Ryan und seinen anderen Athleten zu trainieren“, sagt Bayer. In den USA stieg der Kugelstoßer mit gefestigter Technik und mit weiten 19-Meter-Stößen in die Saison ein. Die Zielsetzung war klar: „Mir ist es in dieser Saison wichtig, konstant über 20 Meter zu stoßen.“

Krämpfe bei der Universiade

Bei der Universiade, der Weltmeisterschaft der Studenten, gelang dann eine weitere Steigerung. Der Kugelstoßer kratzte in Neapel an der 20-Meter-Marke. In der Qualifikation erzielte er mit 19,95 Metern eine neue Bestleistung. Nur im Finale lief es dann nicht wie geplant. „Die Bedingungen vor Ort waren hart, es gibt tausend Gründe, die ich nennen könnte, aber im Endeffekt lag es an mir, weil ich noch nicht die Erfahrung habe, mit solchen Situationen umzugehen. Im Finale hatte ich Krämpfe, und es lief entsprechend schlecht.“ Nicht so am darauffolgenden Wochenende mit der Steigerung in Walldorf auf 20,25 Meter. „Die 20 Meter bedeuten mir viel, weil das der Beweis ist, dass sich harte Arbeit am Ende auszahlt.“ Im Olympiastadion dann schaffte Simon Bayer das Kunststück, seiner Favoritenrolle gerecht zu werden. Gleich im ersten Versuch setzte er mit seinem Stoß auf 20,04 Meter ein Ausrufezeichen.

Muskelprotz mit Turnerqualitäten

Danach ging es darum, die Bestmarke anzugreifen, die Konkurrenz um David Storl schwächelte derweil. Im vierten Durchgang gelang es Vereinskamerad Tobias Dahm, mit seinem Stoß auf 19,80 Meter Bayer am nächsten zu kommen, im sechsten Versuch arbeitete sich Dahm noch ein Stückchen weiter nach vorne. Vielleicht das bisschen Adrenalin, das Simon Bayer noch brauchte.

In der Gewissheit, den Deutschen Meistertitel gewonnen zu haben, beförderte er die 7,26-Kilo-Kugel so weit wie noch nie: Bei 20,26 Metern schlug das Wettkampfgerät ein, und der Sindelfinger feierte wie gewohnt nach großen Erfolgen: Mit einem Rückwärtssalto, der die Zuschauer staunen ließ, zu was der Muskelprotz im blau-weißen Trikot fähig ist. „Der Wettkampf wird mir immer in Erinnerung bleiben. Ich war sprachlos wegen der Atmosphäre dort. Ich habe so etwas noch nie erlebt in meinem Leben, dass ich so eine Aufmerksamkeit bekomme.“

Doch für Bayer geht es nach dem Deutschen Meistertitel weiter. Der Sindelfinger hat die Norm für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha im Fokus: „Der Wettkampf hat mich sehr selbstsicher gemacht. Jetzt heißt es nach vorne zu blicken und die Norm für Doha anzugreifen, die bei 20,70 Metern liegt. Im August wird es noch mal spannend“, sagt Bayer.

Bei der Team-Europameisterschaft in Bydgoszcz streifte er erneut das Nationaltrikot über und sorgte mit seinem Stoß auf 19,66 Meter für neun Punkte für das deutsche Team. Mit Bad Köstriz und Thum stehen nun zwei weitere Werfermeetings an, und Bayer hat sein Ziel klar vor Augen: Die WM-Norm soll fallen.

erstellt von Saskia Drechsel (SZBZ)


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