„Ich will gleich im ersten Wurf alles abrufen“
  08.06.2022

Saskia Schüttke für die SZBZ am 08.06.2022: Schon seit vielen Jahren hat sich der VfL Sindelfingen in der deutschen Kugelstoß-Elite einen Namen gemacht. Aus talentierten Stoßern wurden deutsche Top-Athleten, wie etwa Tobias Dahm, der im Frühjahr sein Karriereende verkündete.

Doch Nachfolger für den 35-Jährigen finden sich in den Sindelfinger Reihen zahlreich. So etwa Tizian Lauria, der zuletzt mehrfach mit der 6-Kilogramm-Kugel die 20-Meter-Marke übertreffen konnte.

Die SZ/BZ hat mit dem Athleten über die U20-Weltmeisterschaften in Cali, die harte Konkurrenz in Deutschland und die anstehende berufliche Veränderung gesprochen.

Sie haben zuerst in Besigheim und dann kurz darauf in Thum erstmals unter freiem Himmel die 20-Meter-Marke übertroffen.

Tizian Lauria: „Ich bin sehr zufrieden mit meinen ersten Wettkämpfen. Bei meinem Saisoneinstieg in Halle waren meine Beine platt, ich habe technische Fehler gemacht und trotzdem die WM-Norm von 18,50 Metern abgehakt. In Thum habe ich zum ersten Mal seit 2019 gegen die gesamte deutsche Konkurrenz gewonnen. Ich will jetzt in jedem Wettkampf über 20 Meter stoßen.“

Im Vergleich zu den letzten Jahren sind Ihre Ergebnisse gerade sehr konstant, an welchen Stellschrauben haben Sie gedreht?

Tizian Lauria: „Die Veränderungen im Training sind endlich auch im Wettkampf zu sehen. Wir haben in den Trainingslagern viel an der Technik gearbeitet und viel auf Weite gestoßen, das hat mir in den letzten Jahren gefehlt. Außerdem habe ich erst vor Kurzem meinen Anfang geändert. Ich versuche jetzt, mehr in die Knie zu gehen und langsamer Schwung zu holen, davor war ich zu hektisch, jetzt ist mein Timing deutlich besser.“

Auch neben dem Sport steht aktuell einiges bei Ihnen an, wie vereinbaren Sie das mit Ihrem umfangreichen Training und den Wettkämpfen?

Tizian Lauria: „Ich absolviere gerade für einige Tage eine Lerneinheit im Rahmen meines Bundesfreiwilligendienstes in Albstadt, deswegen musste ich Kugeln vom Olympiastützpunkt Stuttgart einpacken, mein Trainer Artur Hoppe besucht mich dort auch für Trainingseinheiten. Mitte Juli werde ich dann bei der Polizei als Mitglied der Sportfördergruppe eingestellt, von dort muss ich dann direkt nach Ulm zu meinem Kugelstoßwettkampf.“

Bei den deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm geht es für Sie um alles. Wie gehen Sie den Wettkampf an?

Tizian Lauria: „Nur die besten beiden Stoßer fahren zu den Weltmeisterschaften nach Cali. Die WM-Norm haben schon viele gestoßen, gerade sind es schon fünf Athleten. Ich will gleich im ersten Stoß alles abrufen. Gleichzeitig will ich nicht an die WM denken, sondern versuche, das auszublenden und Spaß am Wettkampf zu haben. Sonst verkrampft man nur.“

In Ihrem Jahrgang ist die Konkurrenz in den Wurfdisziplinen ungewöhnlich hoch, internationale Startplätze sind deswegen umkämpft.

Tizian Lauria: „Wir haben eine wirklich starke Wurfgruppe, verstehen uns aber untereinander richtig gut und pushen uns gegenseitig alle zu Höchstleistungen. Die geforderte Norm von 18,50 Metern für die WM ist ja auch hoch angesetzt, damit kann man ins Finale kommen, in meinem Jahrgang werden das aber bis dahin wahrscheinlich acht/neun Leute gestoßen haben. Immerhin wird man sehr gut auf die Erwachsenenklasse vorbereitet.“

Welche Weiten haben Sie sich für diese Saison vorgenommen?

Tizian Lauria: „Das kommt natürlich auf den Wettkampf an, aber mit mehr als 21 Metern wäre ich mehr als zufrieden, so weit hat schon lange kein deutscher Stoßer mehr mit der 6-Kilo-Kugel gestoßen.“

 SZ-BZ-Mitarbeiterin Saskia Schüttke betreut Tizian Lauria seit seinen Anfängen beim VfL Sindelfingen journalistisch
und traut ihm in Zukunft noch einiges zu.

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Tizian Lauria


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