Hürden-Ass Aleksandar Gacic hat Großes vor
  19.02.2020 •     Wettkampf Pressemitteilung TOP-Nachricht

Saskia Drechsel in der SZBZ vom 19.02.20: Vor eineinhalb Wochen platzte der Knoten: Der Sindelfinger Aleksandar Gacic flog so schnell wie noch nie über die Hürden und ist in dieser Wettkampfsaison angekommen. Am Wochenende steht nun der letzte und entscheidende Wettkampf der Halle an: die deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig.

„Nach dem letzten Jahr bin ich umso glücklicher, dass alles läuft und ich fit und in Topform nach Leipzig fahre“, sagt Aleksandar Gacic. Denn der 20-Jährige hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Das Sindelfinger Eigengewächs erlebte 2019 wieder und wieder schmerzhafte Rückschläge und eine Verletzungsserie, die ihn regelmäßig daran hinderte, über die Hürden zu laufen. Vor eineinhalb Jahren hatte er, direkt nach dem Abitur, angefangen an der Universität Tübingen zu studieren. Während es die Klassenkameraden erst einmal ins Ausland zog, konzentrierte sich Gacic zuerst auf seine letzte Saison als Jugendlicher und dann direkt auf die Vorbereitung für das nächste Jahr.

Zerrung und Knöchelprellung

Das begann holprig. „Erst habe ich mich gezerrt, dann hatte ich Probleme mit meinem Beuger, für meinen ersten Wettkampf wurde ich dann gerade rechtzeitig fit. Wegen technischer Probleme bin ich aber häufig mit dem Knöchel an der Hürde hängen geblieben und habe mir eine Knöchelprellung eingefangen“, erzählt der 20-Jährige den Anfang seiner Leidensgeschichte.

Im Rahmen eines Trainingslagers im Frühjahr folgte ein Muskelfaserriss, der dann hartnäckig blieb und nicht ausheilen wollte. Auf die deutschen U23-Meisterschaften musste der Sindelfinger verzichten. Erst im Juli konnte er in die Freiluftsaison starten. Doch dann, zwei Wochen vor dem Saisonhöhepunkt, den deutschen Meisterschaften in Berlin, war an Hürdenlaufen nicht mehr zu denken. Gacic hatte große Schmerzen im Leistenbereich. „Von Anfang an war mein Ziel, bei den deutschen Meisterschaften zulaufen. Man hat nicht so oft die Gelegenheit, im Olympiastadion zu starten, und ich habe mich zurückgekämpft und bin die DM-Norm gelaufen.“ Er setzte sich im Olympiastadion zum Vorlauf über die 110-Meter-Hürdenstrecke in den Startblock. „Nach der fünften Hürde musste ich meinen Lauf abbrechen, mir ist es wieder in die Leiste gefahren, und später kam heraus, dass ich mir dort einen Muskelbündelriss zugezogen habe.“

Eine Saison, die der VfL-Athlet am liebsten vergessen würde. Um eine solche Verletzungsserie in Zukunft zu verhindern, betrieben Trainer Marlon Odom und Aleksandar Gacic Ursachenforschung. Bei seiner Mutter Aleksandra trainiert der Hürdensprinter schon seit vielen Jahren. „Meine Eltern haben beide in Bulgarien Sportwissenschaften studiert und sind entsprechend sportaffin. Meine Mutter war selbst Leichtathletin, und ich bin ihr sehr dankbar für die Zeit an meiner Seite“, sagt Aleksandar Gacic.

Neben dem Hürdensprinten war der Hochsprung lange die zweite Disziplin des hoch aufgeschossenen Sportlers. „Irgendwann habe ich mir aber die Normen für Meisterschaften angeschaut, und die Hürdenzeit war für mich leichter zu erreichen.“ Die Entscheidung für den Hürdensprint war gefallen, auch weil Aleksandar Gacic mit viel Begeisterung für seine Disziplin schwärmt. „Das Gefühl, wenn alles passt und es sich ganz leicht anfühlt, über die Hürden zu laufen, ist genial“, weiß er.

Auch wenn selbst das Leichtathletik-Ass nach langen Pausen so seine Schwierigkeiten mit den Hürden hat: „Nach der Sommerpause muss man sich erst wieder daran gewöhnen, voll auf ein Hindernis zuzurennen. Man darf einfach nicht so viel nachdenken und muss ausblenden, dass man auf die Schnauze fallen könnte.“

Seit der Vorbereitung auf diese Saison trainiert Gacic nun nur noch unter Marlon Odom am Olympiastützpunkt Stuttgart. „Das ist der nächste Schritt, um meinen Sport professioneller zu gestalten.“ Jeden Tag hat er nun seinen stärksten Gegner im Startblock nebenan. Stefan Volzer, ebenfalls Hürdensprinter im Sindelfinger Trikot, fordert Gacic in jeder Trainingseinheit aufs Neue. „Wir haben das gleiche Ziel und können uns gegenseitig bei jeder Einheit pushen. Dieser Vergleich im Training hilft enorm“, weiß der 20-Jährige.

Die Nase vorne gegen Volzer

Zum ersten Mal hat er zurzeit im Duell die Nase vorne und ist in der aktuellen Hallensaison schon unter acht Sekunden gelaufen. Mit viel Selbstbewusstsein geht es deswegen am Wochenende nach Leipzig. „Ich will dort gelassen rangehen“, sagt Gacic, der mit der fünftschnellsten Zeit anreist. Das Finale hat er sich deswegen fest vorgenommen. „Zwischen Platz drei und Platz sechs ist aus meiner Sicht alles offen. Ich will mein bestes Rennen der Saison machen.“

Ähnlich wie Trainingskamerad Volzer hat sich auch Gacic für die Zukunft viel vorgenommen. Die beiden wollen die deutsche Spitze aufmischen.„Gregor Traber und Erik Balnuweit sind gerade noch vorne, mal sehen, wann ich in diese Bereiche laufe. Ich denke aber, es wird noch ein paar Jahre dauern, bis ich Gregor erreiche“, sagt der Sindelfinger. Sein nächstes großes Ziel sind deswegen die U23-Europameisterschaften im nächsten Jahr. „Ich will unbedingt einmal international für Deutschland starten. Das hat in den letzten Jahren nie geklappt.“

Saskia Drechsel verfolgt den sportlichen Weg von Aleksandar Gacic schon seit vielen Jahren und traut dem 20-Jährigen
am Wochenende in Leipzig eine starke Vorstellung über die Hürden zu.

erstellt von Saskia Drechsel


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