Höhepunkt mit Abstand und leeren Rängen
  20.06.2020 •     Pressemitteilung

Saskia Drechsel, SZBZ vom 20.06.2020: Die Sindelfinger Leichtathleten stehen in den Startlöchern für einen späten Saisonstart und können die ersten kleinen Wettkämpfe kaum abwarten. Auch wenn diese aufgrund der Corona-Pandemie meist nur mit wenigen Disziplinen und Teilnehmern sowie ohne Zuschauer stattfinden.

Inzwischen steht außerdem der erste und wahrscheinlich einzige Höhepunkt im späten Leichtathletik-Sommer fest: Die deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 2020 können in Braunschweig stattfinden, die Stadt hatte vor gut einer Woche grünes Licht für das Konzept des Deutschen Leichtathletikverbandes gegeben. Am 8. und 9. August werden die Titelkämpfe im Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße ausgetragen, vor leeren Rängen und möglicherweise mit eingeschränkten Wettbewerben in der Mittel- und Langstrecke.

Eine wichtige Entscheidung, gerade für die zahlreichen Athleten, die seit Monaten ohne konkrete Ziele trainieren. Zahlreiche VfL-Athleten freuen sich auf die Gelegenheit, sich mit Athleten aus ganz Deutschland zu messen, so auch Hürdensprinter Stefan Volzer. Er bereitet sich aktuell im Bundesleistungszentrum Kienbaum bei Berlin mit der nationalen Konkurrenz vor. „Ich habe richtig Lust auf Wettkämpfe und freue mich darauf auszutesten, wo ich nach der langen Zeit stehe“, sagt Volzer.

Volzer plant gleich vier Starts

Nach seiner Quarantäne konnte der Sindelfinger Mitte April wieder in das Grundlagentraining einsteigen: „Ich konnte einen richtig guten Aufbau machen und bin sehr zufrieden damit, wie das Training läuft.“ Im Juli plant der schnelle Sindelfinger gleich vier Starts. Anfang des Monats hofft er auf eine Startberechtigung in Luzern, dann möchte er in Wetzlar, Regensburg und voraussichtlich Weinheim laufen. Ein voller Terminplan, der sich schon fast wieder nach Normalität anhört.

Tobias Dahm befindet sich aktuell in einer noch ganz anderen Trainingsphase, auch er plant aber mit den deutschen Meisterschaften. „Ich bin noch im Aufbautraining mit schweren Kugeln und schweren Gewichten im Kraftraum, die Belastung ist hoch“, sagt der Kugelstoßer. Aktuell sind noch keine Wettkämpfe geplant, alles hängt von den Ergebnissen der nächsten Trainingswochen ab. Sabrina Lindenmayer hingegen muss gänzlich auf Wettkämpfe verzichten. Das 100-Meter-Hürden-Ass hatte schon im vergangenen Jahr mit Achillessehnenproblemen zu kämpfen. „Meine Achillessehne hat sich nach dem Umstieg vom Training im Wald zurück auf Training auf die Bahn wieder gemeldet, und ich konnte nicht schmerzfrei trainieren“, sagt Lindenmayer. Sie nutzt die Zeit nun, um ihre Verletzung endlich ausheilen zu lassen.

Carolina Krafzik nimmt, wie ihr Disziplinkollege Constantin Preis, Anlauf auf die deutschen Meisterschaften. „Im Training wird es gerade intensiver und schnell. Wir arbeiten viel im rhythmischen Bereich und im Stehvermögen hinten, wo meine Schwächen liegen. Ich denke, man muss die Saison einfach dafür nutzen, an sich zu arbeiten“, sagt die WM-Halbfinalistin von Doha über die 400-Meter-Hürden. Für Krafzik ist noch offen, welche Startmöglichkeiten sie in den nächsten Wochen hat, zurzeit stehen lediglich die Sindelfinger Vereinsmeisterschaften Ende Juni fest. Eine Herausforderung werden gerade für die Läufer auf den Bahnen die neuen Abstandsregeln. „Ich denke, man muss sich daran gewöhnen, dass man im Wettkampf eine freie Bahn zwischen den Läufern hat, über die 400-Meter-Hürdenstrecke läuft man dann auf den ersten Metern ganz alleine. Wir versuchen das schon im Training zu testen, damit man sich daran gewöhnt“, erzählt Krafzik.

Auch Simon Bayer will das ungewöhnliche Leichtathletikjahr gut für sich und seine Karriere nutzen. Die deutschen Meisterschaften sind angepeilt, andere Wettkämpfe eher nicht. Bayer befindet sich aktuell in einer Art Reha-Vorbereitung, um seine Rückenprobleme auszumerzen. Grundsätzlich ist die Form gut, stoßen will der 24-Jährige aber ausschließlich schmerzfrei.

„Dass die deutschen Meisterschaften jetzt fest im Kalender stehen, ist ein sichtbares Signal der weiteren Normalisierung, und es ist vor allem für unsere Sportler nach einer langen Phase der Orientierungslosigkeit ein bedeutendes Ziel, auf das sie jetzt hinarbeiten können“, sagt VfL-Abteilungsleiter Jürgen Kohler. Er erinnert an die drei Deutschen Meistertitel des letzten Jahres, die nun verteidigt werden können. „Erfolge sind notwendig für die Athleten, um finanzielle Förderung und Sponsoreneinnahmen zu erhalten. Und die Erfolge sind wichtig für uns als Verein“, so Jürgen Kohler.

SZ/BZ-Mitarbeiterin Saskia Drechsel war einst eine erfolgreiche Speerwerferin und kennt sich in der Leichtathletik-Abteilung des VfL Sindelfingen gut aus und drückt den Athleten die Daumen.

erstellt von Saskia Drechsel, SZBZ


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