„Er tat alles für seine Athleten"
  08.02.2021

Karlheinz Reichert in der SZBZ vom 08.02.21:Trauer und Entsetzen bei den Leichtathleten. In der Nacht zum Freitag starb Harald Olbrich, Trainer der Sindelfinger Mittel- und Langstreckler. Als Aktiver war er der beste 1500-m-Läufer, den der VfL Sindelfingen je hatte. Bis heute ist seine Bestzeit aus dem Jahr 1985, 3:38,71 Minuten für seine Paradedistanz, Vereins- und Kreisrekord.

Am Dienstag war Harald Olbrich mit zwei seiner Schützlinge, Paul Specht und Velten Schneider, in Erfurt und freute sich mit ihnen über deren gute Ergebnisse (die SZ/BZ berichtete). Am Mittwoch feierte er im kleinen Kreis seinen 62. Geburtstag. Am Donnerstag versuchte er tagsüber all jene zu erreichen, denen dies am Vortag bei ihm nicht gelungen war. Am Abend leitete er als Landestrainer im Glaspalast die Übungseinheit der württembergischen Kaderathleten.

In der Nacht zu Freitag verstarb der langjährige Vereins- und Verbandstrainer Harald Olbrich vermutlich an Herzversagen. „Wir können das alles gar nicht fassen“, sagt Dieter Gauger, Ehrenabteilungsleiter der Sindelfinger Leichtathleten.

Bestzeit beim Sportfest in Köln

Harald Olbrich war 1985 nach Sindelfingen gekommen. Er trat einen Job im Daimler-Werk an. Bis zu seinem Ruhestand am 1. Mai 2020 war er dort in der Erwachsenenbildung tätig. Bei seinem Heimatverein LV Ettenheim (Baden) hält er bis heute die Vereinsrekorde auf allen Strecken von 1000 bis 5000 Meter. In Ettenheim leben noch seine Eltern, während es seine Geschwister, die Schwester (Aurich) und die beiden Brüder (Berlin und Schweiz), in die Ferne zog.

Nach einer Zwischenstation beim TB Emmendingen schloss sich Harald Olbrich mit dem beruflichen Wechsel nach Sindelfingen dem VfL an. Seine 1500-m-Bestzeit gelang ihm beim Sportfest in Köln, nachdem er wenige Tage zuvor bei der deutschen Meisterschaft in Stuttgart Dritter geworden war. 1987 holte er bei den deutschen Hallenmeisterschaften über dieselbe Distanz ebenfalls Bronze.

Helfer in allen Lebenslagen

Ende 1990 wurde Harald Olbrich vom Läufer zum Trainer. Über mehrere Jahre bekleidete er bei den VfL-Leichtathleten parallel dazu auch das Amt des Leistungssportwarts. Die Nachwuchsläuferinnen und -läufer behandelte er, als wären sie seine Kinder – fördernd, fordernd und mit Liebe. Von den größeren Talenten forderte er schon mal etwas mehr. „Gott gibt die Nüsse, aber er knackt sie nicht“, konnte er schon mal sagen, wenn er das Gefühl hatte, dass ein Talent seine Begabung nicht ausreizte.

Philipp Pflieger, der seit Jahren in Regensburg lebt, 2016 Olympia-Teilnehmer im Marathonlauf, sagte einmal über Harald Olbrich: „Er war für mich nicht nur ein Trainer, sondern ein Helfer in allen Lebenslagen. Er hat mich immer wieder aufgebaut.“

Dieter Locher, technischer Leiter der VfL-Leichtathletikabteilung, ergänzt das: „Er tat alles, was für die Athleten gut war – und das kompetent und verbindlich. Er wird uns fehlen.“

 

erstellt von Karlheinz Reichert in der SZBZ vom 08.02.21

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