„Die Zeiten fallen nicht vom Himmel“
  09.01.2021

Saskia Drechsel in der SZBZ vom 09.01.21: Im Dress des VfL Sindelfingen sprintete Deniz Almas hinein in die deutsche Spitze. Heute läuft er in Grün für den VfL Wolfsburg, peilt die Olympischen Spiele an und will als erster Deutscher überhaupt die 10-Sekunden-Marke über 100 Meter knacken.

Anlauf dazu nimmt er in Zeiten, in denen während Corona so vieles überhaupt nicht in die Gänge kommt.

Die SZ/BZ hat mit Deniz Almas über die aktuelle Trainingssituation, den Erfolg von diesem Jahr und die Wettkampfplanung gesprochen.

Die Trainingssituation ist aktuell für alle Sportler schwierig, wie sieht es bei Ihnen aus?

Deniz Almas: „Ich bin mit meiner Trainingsgruppe zurzeit in einem Trainingslager in Kienbaum. Wir sind alle getestet, halten Abstand und dürfen zusammen trainieren, raus dürfen wir allerdings nicht. Eigentlich wären wir gerade wie jedes Jahr auf Teneriffa. Daheim in Leipzig hoffe ich, dass wir als Bundeskaderathleten weiterhin die Einrichtungen nutzen dürfen. Ende März wäre außerdem ein Trainingslager in Florida geplant, in die Zukunft zu schauen ist aber aktuell schwierig.“

Wie läuft die Vorbereitung auf die kommende Saison?

Deniz Almas: „Bei mir sehr gut. Meine Zubringerwerte sind stark, ich bin gesund und denke, ich kann schon in der Halle zeigen, dass es in eine gute Richtung geht. Ich habe dennoch viel Luft nach oben. Ich bin zwar ein guter Starter, in der zweiten Rennphase aber zu langsam, auch auf den letzten 20 von 100 Metern gibt es bei mir einen zu starken Geschwindigkeitsabfall. Daran arbeiten wir aktuell.“

Ich trainiere jetzt härter und absolviere mehr Einheiten.

Anfang letzten Jahres konnten Sie in der Halle erstmals auftrumpfen und haben für viele Experten überraschend den Meistertitel gewonnen. Werden Sie in der Hallensaison über die 60 Meter an den Start gehen?

Deniz Almas: „Einige Meetings stehen schon, bei denen ich mit einem guten Saisoneinstieg sicherlich auch starten kann, dann kommen hoffentlich die Deutschen Meisterschaften und die Hallen-Europameisterschaften. Dort kann ich dann auch schon Punkte im World Ranking für die Olympischen Spiele sammeln.“

In der späten Freiluftsaison 2020 haben Sie mit Spitzenleistungen überzeugt, sind in Weinheim 10,08 Sekunden schnell gelaufen und haben sich in Braunschweig mit 10,09 Sekunden souverän den Deutschen Meistertitel geholt. Hatten Sie damit vor einem Jahr gerechnet?

Deniz Almas: „Als ich nach Leipzig gegangen bin, haben wir viel umgestellt. Ich trainiere jetzt härter und absolviere mehr Einheiten, weil ich die Zeit dazu habe. 2018 lief es noch nicht gut, mein System hat Zeit gebraucht, sich anzupassen. Dass es in diesem Jahr schnell wird, hat sich aber dann angedeutet. Mit einer Zeit von 10,10 Sekunden haben wir gerechnet, aber die Zeit ist nicht vom Himmel gefallen.“

Wie sind Sie mit dem Druck vor den Deutschen Meisterschaften umgegangen, Sie waren ja plötzlich der Favorit?

Deniz Almas: „Wir haben uns natürlich davor Gedanken gemacht, wie man am besten rangeht. Ich habe mir klargemacht, das wird kein Selbstläufer. Um Deutscher Meister zu werden, muss ich richtig performen und schnell laufen.“

Für Olympia brauche ich 10,05 Sekunden. Ich will daraus eine sichere Sache machen

Wie gehen Sie mit diesen Leistungen im Rücken in die kommende Saison? Schließlich sind sowohl das Unterbieten der 10-Sekunden-Marke als erster Deutscher überhaupt als auch die Olympischen Spiele naheliegende Ziele.

Deniz Almas: „Die Zeit habe ich nicht mal im Hinterkopf, auch wenn ich oft darauf angesprochen werde. Mein Hauptziel ist es, mich auf diesem Niveau zu stabilisieren, wenn ich einen guten Tag erwische, kann immer noch ein Ausrutscher passieren. Um mich direkt für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, brauche ich eine Zeit von 10,05 Sekunden. Ich will daraus eine sichere Sache machen und diese Norm rennen. Ansonsten bleibt das World Ranking, und um mich über Punkte zu qualifizieren, kann ich hoffentlich in diesem Jahr wieder bei Diamond League Meetings laufen.“

Viele Jahre sprintete Deniz Almas im Trikot des VfL Sindelfingen zu immer schnelleren Zeiten und größeren Erfolgen. Als er sich 2012 als 15-Jähriger der Trainingsgruppe um Peter Wiesner anschloss, lag seine Bestzeit weit jenseits der Elf-Sekunden-Marke, fortan entwickelte sich der Sportler prächtig. Er errang Meistertitel und gewann den U23-Staffel-Europameistertitel. Mit 20 Jahren wechselte er in die starke Trainingsgruppe unter Bundestrainer Ronald Stein nach Leipzig und startet seitdem für den VfL Wolfsburg.
Drei Jahre später ist Deniz Almas Deutscher Doppelmeister und plant mit den Olympischen Spielen. – dre –

Saskia Drechsel schreibt für die SZ/BZ schwerpunktmäßig aus der Leichtathletikszene.
Sie trug selbst den Dress des VfL Sindelfingen.

erstellt von Saskia Drechsel für die SZBZ am 09.01.21

Partner und Sponsoren