Die Tante gibt den entscheidenden Tipp
  02.10.2020

Saskia Drechsel in der SZBZ vom 02.10.20: In der zwölften Folge geht es um die Deutschen Meisterinnen des VfL Sindelfingen.

Der erste Meistertitel ging an eine Mittelstreckenläuferin. Anita Berens, heute Apuzzo eiferte der damals erfolgreichen Christl Grötzinger nach. „1968 hat sie ihre Karriere beendet und zusammen mit Herbert Bohr eine weibliche Trainingsgruppe gegründet. Gemeinsam mit Helmut Starzmann haben sie viel Zeit investiert und mich für die Mittelstrecke trainiert“, erinnert sich Anita Apuzzo. Nach Siegen bei Waldlauf- und Landesmeisterschaften wurde sie 1972 bei den Deutschen Jugendhallenmeisterschaften zur ersten Deutschen Meisterin der Sindelfinger Leichtathleten gekürt. „Die Meisterschaften fanden in der alten Böblinger Sporthalle mit einer 160 Meter langen Holzbahn statt. Was hat es damals gehämmert und gedröhnt, als wir gelaufen sind.“ Mit einem Start-Ziel-Sieg sicherte sich Anita Berens die Goldmedaille mit deutschem Jugendhallenrekord von 2:11,2 Minuten.

Dem Ruf der Sprinthochburg folgte dann Jahre später Doreen Fahrendorff, heute Helms. In Neubrandenburg fehlte die sportliche Zukunft für die Sprinterin. Ihre Tante las in der Sport-Bild von den Sindelfinger Erfolgen, woraufhin Fahrendorff eine Bewerbung an den damaligen Abteilungsleiter Dieter Gauger schrieb. Nach einem Probetraining bei Joachim Thomas war auch die Unterstützung der Sindelfinger bei der Job- und Wohnungssuche groß.

Umzug mit Sack und Pack

„So bin ich mit Sack und Pack umgezogen und habe mich schnell in der Trainingsgruppe wohlgefühlt“, erzählt Doreen Helms. Auch der Erfolg stellte sich bald ein, noch heute ist Doreen Fahrendorff mit 52,84 Sekunden über 400 Meter Vereinsrekordhalterin in der Halle.

Mit Jutta Kummer, die damals unter dem Namen Weide bekannt war, wechselte zum Jahreswechsel 1981/82 eine Kugelstoßerin zum VfL Sindelfingen. „Ganz besonders erinnere ich mich noch daran, wie mich Herbert Bohr bei sich aufgenommen hat“, sagt Kummer heute. Auf Anhieb sicherte sie sich im Sindelfinger Trikot den deutschen Hallenmeistertitel und gewann auch bei den Freiluftmeisterschaften Silber. 17,04 Meter betrug die Bestleistung der Kugelstoßerin. Zu einem Einsatz im Nationaltrikot kam es allerdings trotz nationaler Spitzenposition nie. „Leider war die Norm des deutschen Leichtathletikverbands immer deutlich höher angesetzt als die internationale, die ich geschafft habe.

Mehr als zehn Jahre lang erlebte Simone Beutelspacher, die heute den Namen Schmidt trägt, mit dem VfL Sindelfingen die Höhen und Tiefen ihrer Karriere. Im Jahr 1992 kam sie als jugendliche Sprinterin zu den Blau-Weißen und unter die Fittiche von Trainer Joachim Thomas. Das Nationaltrikot streifte sie sich das erste Mal bei einem Jugend-Länderkampf 1994 über und war Teil der 4x400-Meter-Staffel. Zwei Jahre später dann der Wechsel auf die 800-Meter-Strecke. „Die deutsche Junioren-Vizemeisterschaft über diese Strecke war mein erster großer Erfolg“, sagt Simone Schmidt heute. Unter Trainer Jürgen Schneider entwickelte sie sich kontinuierlich weiter. Bei den deutschen Hallenmeisterschaften 1999 in Karlsruhe triumphierte sie über die 800-Meter-Strecke und lief zur Deutschen Meisterschaft. „So erfolgreich wie damals war der VfL noch nie. Innerhalb von paar Minuten haben wir Titel um Titel geholt. Holger Vogelgsang, Birgit Wolf, die Staffel. Das war ein großer Tag für Sindelfingen“, erinnert sich Schmidt. Ein Jahr später lief sie im Glaspalast zur Bestleistung von 2:01,72 Minuten. Auch zu den Halleneuropameisterschaften in Gent wurde sie eingeladen.

Große Emotionen

Für große Emotionen sorgte Lisa Steinkamp im Jahr 2013. Die Weitspringerin des VfL Sindelfingen hatte in der Jugendklasse schon mehrere deutsche Meistertitel gewonnen, der Übergang in die Aktivenklasse fiel aber nach einem Auslandsaufenthalt in den USA schwer. Steinkampf trainierte hart, um an ihre alte Leistungsfähigkeit heranzukommen. „Bei den Deutschen Hallenmeisterschaften 2013 gab es eine Zitterpartie bis zum Ende. „Die ersten Versuche waren nicht gut, im dritten Durchgang habe ich dann einen rausgehauen und am Ende mit einem Zentimeter Vorsprung gewonnen. Das war der Wahnsinn, meine Trainingsgruppe und der ganze Verein haben mich angefeuert, das war eine super Unterstützung“, erinnert sich die Weitspringerin. Im selben Jahr gelang ihr unter freiem Himmel in Wesel der weiteste Satz ihrer Karriere: 6,58 Meter, ein württembergischer Rekord.

Mit zwei Meistertiteln schmückt sich indes Carolina Krafzik. 2019 siegte sie in Berlin überraschend und qualifizierte sich mit der Spitzenzeit von 55,64 Sekunden über die 400 Meter Hürden für die WM in Doha. Vor wenigen Wochen kürte sie sich in Braunschweig erneut zur schnellsten Deutschen.

Die SZ/BZ stellt jeden Freitag die Geschichte der VfL-Leichtathleten nach. In Folge 13 geht es am 9. Oktober um die erfolgreichen Trainer.

Saskia Drechsel


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