Der vergebliche Kampf ums EM-Ticket
  27.09.2022

Bei der deutschen Meisterschaft lief Velten Schneider über die 3000 Meter Hindernis auf Platz drei. Für den Start bei der EM in München reichte das nicht. Bild: Schüttke

Saskia Schüttke für die SZBZ am 26.09.22: Velten Schneider hetzte von Wettkampf zu Wettkampf, um in München dabei zu sein / Start in der Diamond League.

Höhentraining in Kenia

In seiner bislang erfolgreichsten Saison hat Velten Schneider gleichzeitig sein größtes Ziel verpasst: An den Europameisterschaften in München lief der 3000-Meter-Hindernisspezialist knapp vorbei, sammelte aber auf seinem Weg eine Menge Erfahrungen.

Um sich auf die wichtigen Rennen vorzubereiten und seine Form auf ein neues Level zu heben, reiste Schneider in der Saisonvorbereitung nach Kenia. Das Land gilt als Läufermekka, die Eliten bereiten sich jedes Jahr in der dünnen Höhenluft vor und treiben sich gegenseitig im Training zu Topleistungen an.

Auch der Sindelfinger hat während seiner Wochen in Kenia so gut trainiert wie nie zuvor. Auf Stippvisite zurück in der Heimat stellte er quasi im Vorbeigehen einen neuen Vereinsrekord über die 10-Kilometer-Straßendistanz auf.

„Ich habe mich richtig stark gefühlt, habe gedacht, dass ich eigentlich sofort EM-Norm über die Hindernisse laufen kann“, sagt Schneider, der gleich weiter in das nächste Trainingslager in Italien reiste. Die Bahnsaison begann er direkt im Anschluss. „Ich habe mich über die Hindernisse im Bereich 8:30 Minuten gesehen und auch so trainiert, ich habe mich auch durchgehend gut gefühlt, mit einem guten Saisonbeginn hat es trotzdem nicht geklappt“, blickt der 23-Jährige zurück.

Und so stellte er zwar diverse Bestleistungen auf, konnte aber dennoch nicht das Niveau zeigen, für das er so hart gearbeitet hatte. „Wahrscheinlich habe ich mir einfach zu viel zugemutet, aber das merkt man nicht gleich.“ Velten Schneider absolvierte Hindernisrennen um Hindernisrennen, dazwischen Trainingslager zum Formerhalt. Doch gleich mehrere Angriffe auf die Norm scheiterten. Bei den deutschen Meisterschaften in Berlin sah sich Schneider mit einem taktischen und entsprechend langsamen Rennen konfrontiert.

Immerhin konnte er sich durchsetzen und lief zur Bronzemedaille. „Ich wollte unbedingt eine Medaille holen, als Statement in Hinblick auf die Nominierung“, so Velten Schneider. Schließlich sollten die schnellsten drei Deutschen für die EM nominiert werden. Doch dem Sindelfinger fehlten noch World-Ranking-Punkte, um überhaupt die Nominierungsvoraussetzungen zu erfüllen. So reiste er nach Barcelona, konnte aber kein ideales Rennen zeigen. Weiter ging es nach Belgien. „Da hatten wir aber eine Schnecke als Pacemaker, hintenraus habe ich alles gegeben, das war meine letzte Chance, hat aber nicht gereicht.“

Verzweifelt flog der Sindelfinger nach Irland, um noch einige Ranking-Punkte zu sammeln. „Da hatten wir aber katastrophale Bedingungen, ich bin trotzdem vorangegangen gegen den Wind. Ich habe wirklich bis zur letzten Minute alles versucht“, blickt Schneider zurück, der von seinem unglücklichen Ausflug nach Irland auch noch Corona mitbrachte und krank im Bett die Enttäuschung der verpassten EM verarbeitete.

„Das ist sicher zu viel gewesen. Rückblickend bin ich der EM-Norm hinterhergerannt und es war nicht von Erfolg gekrönt, aber ich habe dadurch unglaublich viel Wettkampferfahrung gewonnen“, sieht der 23-Jährige das Positive.

Und so schaltete Velten Schneider schnell um, schließlich wollte er seine gute Wettkampfform noch nutzen. „Natürlich tat es weh, ich war selbst als Zuschauer in München, es war wunderschön und eine tolle Stimmung für unseren Sport. Aber ich wollte dann noch eine gute Late Season absolvieren.“

Starke Vorstellung in Budapest

Und so trainierte sich der Sindelfinger den Frust von der Seele und zeigte bei zwei Top-Wettkämpfen starke Leistungen. In Budapest absolvierte er sein bestes Rennen der Saison. In 8:32,53 Sekunden stürmte er zu einer schnellen Bestleistung.

Mit seiner starken Vorstellung kam er kurzfristig bei einem Gold-Meeting, in der Meetingklasse eine Stufe unter der Diamond League, in Zagreb zum Einsatz. Hier ging es bei den selten gelaufenen 2000 Meter Hindernis um einen Weltrekord-Versuch. „Das war toll, ich stand mit einem Olympiasieger an der Startlinie und habe mich gut präsentiert. Ich bin nur drei Sekunden über dem deutschen Rekord geblieben“, freut sich Schneider, der sich nun doch noch mit seiner Saison versöhnt zeigt.

Aktuell gönnt der Sindelfinger seinem Körper etwas Pause, denkt aber schon an die kommende Hallensaison. Über die 1500- und die 3000-Meter-Strecke plant er einige Rennen, die Hindernisse werden unter dem Hallendach nicht gelaufen.

Unter freiem Himmel möchte er dann von der vielen Erfahrung und seinem hohen Rankingplatz profitieren, spätestens in zwei Jahren soll es nämlich endlich klappen mit einer EM-Teilnahme.


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