Corona | Leichtathletik Leichtathletik: Neuanfang mit Nachwuchssorgen
  17.03.2021

swr.de - Marcel Fehr am 17.03.2021: Für die Leichtathletik-Abteilungen im Südwesten ist es seit kurzem endlich wieder möglich, das geregelte Training unter Auflagen aufzunehmen. Doch die Folgen des monatelangen Trainings-Lockdowns sind für den Nachwuchsbereich kaum aufzuholen.

Nach mehreren Monaten Pause dürfen die Leichtathleten des TSV Schott Mainz das heimische Stadiongelände endlich wieder betreten. Zwar mit Einlasskontrolle, Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln, aber einem erleichterten Lächeln auf dem Gesicht. Denn in den meisten Leichtathletik-Disziplinen (Sprint, Sprung und Wurf) ist es für die Athleten ohne Vereinstraining und Stadionzugang kaum möglich gewesen, spezifisch zu trainieren.

Der stellvertretende TSV-Abteilungsleiter Carlos Verez ist glücklich, seine Athleten wieder gemeinsam in Aktion sehen zu dürfen: "Wir haben mit Online-Training und Einzelcoachings glücklicherweise keine Athleten verloren. Aber irgendwann hatten die Kids auch mal die Nase voll vor dem Bildschirm zu trainieren." Ein Hauptproblem sieht Verez in der sportlichen Entwicklung der jüngeren Athleten: "Das spezifische Training in der Entwicklungsphase der Jugendlichen fehlt über einen langen Zeitraum. Das lässt sich nicht mehr aufholen."

Ohne Wettkämpfe fehlt die Motivation

Der Präsident des Württembergischen-Leichtathletik-Verbandes (WLV), Jürgen Scholz, sieht die aktuellen Verordnungen optimistisch, da man mit 10er-Gruppen die Chance habe "die Breite wieder zu motivieren", Leichtathletik zu betreiben (Bei einer stabilen Inzidenz unter 50 sind 10er Gruppen erlaubt). Besonders die technischen Disziplinen hätten unter dem Lockdown gelitten. Ohne spezielles Techniktraining (das nur im Stadion möglich ist) und fehlende Wettkampfangebote sei es besonders für den Nachwuchs schwierig, sich zu motivieren.

Der Nachwuchs bricht weg

Roland Mäußnest, Abteilungsleiter der LG Filstal, beklagt vor allem bei den 14-18-Jährigen einen Mitgliederschwund von 30 Prozent. Daraus entstehe ein gefährlicher Dominoeffekt, denn die Gruppendynamik sei ein entscheidender Motivationsfaktor: "Viele Athleten kommen vor allem wegen der Freunde und Trainingspartner und nicht aufgrund der hohen Eigenmotivation." Darüber hinaus sichte man den Nachwuchs über den Schulsport, der trotz Lockerungen noch nicht stattfinden könne. Für die kommenden Jahre befürchtet Mäußnest erhebliche Einschnitte bei regionalen Wettkampfformaten.

    "Uns brechen durch die lange Pause die Nachwuchsathleten zwischen 14 und 18 Jahren weg. Diese Lücke werden wir noch viele Monate nicht schließen können"
    Roland Mäußnest - Abteilungsleiter Leichtathletik LG Filstal

Auch der Leistungssport, der unter Hygieneauflagen weiterhin möglich war, profitiert von Trainingspartnern aus der zweiten Reihe. Es sei fahrlässig zu glauben, dass ein Spitzensportler, ohne seine Vereinskollegen um sich herum, die gleiche Leistung und Motivation aufbringen könne.

Freiluft-Sportart: Eine Chance für die Leichtathletik

Die Leichtathletik bietet mit ihren verschiedenen Disziplinen und einem Stadion unter freiem Himmel optimale Bedingungen für ein vielseitiges Training mit Hygienevorschriften. Denn die Corona-Verordnung sieht vor, dass ein Training unter freiem Himmel, bei ausreichend Trainingsfläche und Abstandsmöglichkeiten auch bei Inzidenzen über 50 möglich ist. Hier gilt: kontaktfreies Training in Fünfer-Gruppen mit maximal zwei Haushalten oder bei unter 14-Jährigen in 20er-Gruppen sind möglich. Es müssen jedoch immer die Abstandsregeln von mindestens 1,5m eingehalten werden. Auf einer Leichtathletik-Anlage wäre damit ein vernünftiges Training für Werfer, Springer, Sprinter und Läufer denkbar.

Kritisch sieht WLV-Präsiden Scholz die fehlende Beständigkeit und Kontinuität im Vereinstraining. Es sei für die Trainer*innen schwer, ein strukturiertes und durchdachtes Trainingskonzept umzusetzen, "wenn man nicht weiß, ob man nächste Woche mit 10 Athleten trainieren kann oder wieder nur mit zwei Haushalten". Ein durchdachtes Hygienekonzept im Freilufttraining würde keinen negativen Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben.

Der ganze Artikel auf swr.de mit Statement von Jürgen Scholz, WLV-Präsident.

erstellt von Artikel aus swr.de/sport - von Marcel Fehr.

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