Bauchlandung für die starken VfL-Männer
  10.06.2021 •     Wettkampf Pressemitteilung

Leichtathletik: Bei den deutschen Meisterschaften in Braunschweig schafft der Sindelfinger Kugelstoßer Simon Bayer keinen gültigen Versuch / Tobias Dahm wird immerhin Fünfter. Von unserer Mitarbeiterin Saskia Drechsel in der SZBZ vom 8.Juni 21

Brachten für die einen die deutschen Meisterschaften die erträumten Ergebnisse, wollte es bei den anderen nicht so recht laufen. Die Sindelfinger Kugelstoßer konnten sich ihr Abschneiden in Braunschweig nicht wirklich erklären, mit Simon Bayer und Eric Maihöfer waren gleich zwei blau-
weiße Medaillenkandidaten ohne gültigen Stoß ausgeschieden. Der Dritte im Bunde, Tobias Dahm, rettete sich immerhin auf den respektablen fünften Platz. Gerade Bayer war im Vorfeld als Gold-Favorit gehandelt worden und hatte sichtbar Probleme mit den Bedingungen. „Das war leider nicht unser Tag“, resümierte der Sindelfinger. Auch Eric Maihöfer kann nur mutmaßen „Mein Kopf wollte nicht mit meinem Körper zusammenarbeiten. Das muss ich abhaken und weitermachen.“
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Mit zwei Goldmedaillen und einem direkten Olympiaticket gehen auch diese deutschen Meisterschaften in Braunschweig in die Erfolgsbücher der Sindelfinger Leichtathleten ein. Am Wochenende glänzten besonders Carolina Krafzik und Constantin Preis mit jeweils mitreißenden Rennen über die 400-Meter-Hürdenstrecke.
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Gerade Carolina Krafzik kann ihr Glück noch gar nicht fassen, verbesserte sie doch innerhalb von zwei Tagen zweimal ihre persönliche Bestleistung und schob sich mit 54,89 Sekunden in der Weltjahresbestenliste bis auf den zwölften Rang vor. Ihr Solo-Lauf von Braunschweig ist gar das schnellste deutsche Langhürden-Ergebnis seit 14 Jahren. Mit ihrem fulminanten Sprint über die Hürdenrunde und dem anschließend ungläubigen Jubel schaffte es Krafzik sogar in die Tagesschau am Sonntagabend.
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Im krassen Gegensatz zur umjubelten Leistung im Stadion stand dann die Siegerehrung der Medaillengewinnerinnen unter Corona-Bedingungen. Auf einem Nebenplatz abseits des Stadions, lediglich von den mitgereisten Betreuern beklatscht, betrat Carolina Krafzik etwas verloren das mit viel Abstand aufgebaute Podium. Die Goldmedaille lag bereit, die Sindelfingerin musste sie sich selbst um den Hals hängen und zur Goldmedaillengewinnerin küren.
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Auch für Trainer Werner Späth war die Olympiaqualifikation seines Schützlings ein ganz besonderer Moment, wenn auch nicht so einzigartig, wie es die Konstellation vermuten lässt. Tatsächlich ist es nämlich schon Späths siebte Athletin, die zu den Olympischen Spielen läuft. Krafziks Vorgängerin ist dabei Nadine Hildebrand, die über die 100 Meter Hürden in Rio de Janeiro an den Start ging. Für einige Zeit waren die beiden sogar Trainingskameradinnen. Anfang des Jahres war sich Späth aber noch gar nicht so sicher, ob der siebte Streich gelingt, nachdem bei Carolina Krafzik ein Knochenmarködem diagnostiziert wurde. „Wir hatten keine Zeit für einen systematischen Aufbau, die Form musste sie sich über die Wettkämpfe holen“, so Späth.
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Für Constantin Preis war der dritte Deutsche Meistertitel gleichzeitig der Emotionalste. „Wir haben darauf hingearbeitet, dass ich zum ersten Saisonwettkampf in Form bin. Aber nachdem ich über die Ziellinie gelaufen bin und gewonnen habe, war da schon eine gewisse Erleichterung, weil ich mein erstes Ziel erreicht habe.“ Nun will er auf seiner Leistung aufbauen. Am Samstag steht ein Wettkampf in Genf an, dann geht es nach Regensburg und schließlich Ende Juni nach Luzern. „Die Norm ist auf jeden Fall als Ziel angesetzt“, so Preis entschlossen.
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Lea Riedel erreichte im Kugelstoßwettkampf der Frauen ihr großes Ziel, den Wettkampf als beste U23-Athletin zu beenden. Die guten Ergebnisse aus dem jüngsten Trainingslager in Kienbaum versprechen aber weitere Stöße. „Ich habe ein paar Mal sehr weit gestoßen. Auch weil ich eigentlich keine Trainingsweltmeisterin bin, hätte ich erwartet, dass ich im Wettkampf etwas drauflegen kann.“ Noch knapp drei Wochen bleiben Riedel nun, um das neue Leistungsniveau bei den deutschen Juniorenmeisterschaften umzusetzen.
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Für viele nicht ganz nachvollziehbar entschied sich der Sindelfinger Hindernisspezialist Velten Schneider, nicht über die Hindernisse, sondern im 1500-Meter-Rennen anzutreten. „Das war wahrscheinlich in Braunschweig das schnellste Hindernisrennen der DM-Geschichte. Da ich aber in der vorherigen Woche ein schnelles, gutes, aber auch orthopädisch beanspruchendes Hindernisrennen in Belgien gerannt bin, wäre es ein hohes Risiko gewesen bei der DM noch mal voll anzugreifen.“ So setzte er mit einem schnellen 1500-Meter-Lauf den optimalen Reiz und befindet sich inzwischen im Höhentrainingslager in St. Moritz. „Hier bereite ich mich auf meinen Saisonhöhepunkt vor. Meine Aufgabe als Junior ist es, bei der U23-EM mein bestes Hindernisrennen zu zeigen.“

Als ehemalige Speerwerferin hatte SZ/BZ-Mitarbeiterin Saskia Drechsel auch den ein oder anderen Fehlversuch. An so eine Pechsträhne wie bei Simon Bayer in Braunschweig kann sie sich aber nicht erinnern.

erstellt von Saskia Drechsel für die SZBZ am 08.06.21

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