Auf den Spuren der starken Männer
  01.06.2021

Saskia Drechsel für die SZBZ am 01.06.21: Leichtathletik: Kugelstoßer Eric Maihöfer vom VfL Sindelfingen kommt der 20-Meter-Marke erstaunlich nahe Sindelfingens starke Männer sind seit langen Jahren für Überraschungen gut. N

Nach Sven Eric Hahn, Marco Schmidt, Artur Hoppe, Tobias Dahm und Simon Bayer schickt sich nun das nächste Talent an, in die Fußstapfen der Großen zu treten. Eric Maihöfer, seit Ende letzten Jahres neu im Sindelfinger Trikot, ist Mitte Mai der 20-Meter-Marke erstaunlich nahe gekommen – und das mit neunzehn Jahren.

Für Eric Maihöfer war es einer der viel beschriebenen Vorstöße in neue Dimensionen. Dieser Moment in Halle, als nicht alles, aber sehr vieles zusammenpasste und er seine Wettkampfkugel so weit wie noch nie von sich stieß. Bei 19,75 Metern schlug das 7,26 Kilogramm schwere Eisengewicht ein, für den Sindelfinger Kugelstoßer eine Steigerung der Bestleistung um fast einen Meter. Dass die Weite kein Ausrutscher war, zeigte der Drehstoßer noch im selben Wettkampf. Im letzten Durchgang wuchtete er die Kugel zum zweiten Mal in seiner Karriere über die Neunzehn-Meter-Marke auf 19,37 Meter.
Top-Weite in jungen Jahren

Inzwischen sind einige Tage vergangen, mehrmals hat Maihöfer seinen Rekordstoß mithilfe einer Videoaufnahme analysiert. „Der Stoß war anders, das sieht man deutlich. Ich war ruhig mit meinem linken Arm, habe die Beine offen gesetzt und konnte so meine Kraft einsetzen. Und dann habe ich auf noch die Kugel nach oben perfekt getroffen“, sagt der Sindelfinger Leichtathlet. „Aber es gibt auch noch genügend zu verbessern.“ Einige Tage hat Eric Maihöfer gebraucht, bis er seinen Leistungssprung realisiert hat: „Den baden-württembergischen Rekord von meinem Trainer Artur Hoppe habe ich auch gebrochen.“

In vergleichbar jungen Jahren hatten seine beiden Trainingskameraden Simon Bayer und Tobias Dahm nicht annähernd so weit gestoßen, schließlich braucht es speziell im Kugelstoßen Zeit, bis die Technik beherrscht wird. Nicht selten erleben die Kugelstoßer erst in ihren späten Zwanzigern ihr Leistungshoch.

Schon in den Jugendklassen war Maihöfer erfolgreich unterwegs und gewann zwei Deutsche Meistertitel in der U20. Sein weitester Stoß mit der 6-Kilogramm-Kugel wurde mit 20,42 Metern gemessen. Bereits im vergangenen Jahr bereitete er am Olympia-stützpunkt Stuttgart den Übergang in die Erwachsenenklassen und zur schwereren Kugel vor. „Ich habe mich immer wohlgefühlt mit der Männerkugel und hatte noch nie das Problem, dass mir eine Kugel zu schwer war“, so der gelernte Zehnkämpfer, der von der LG Staufen zum VfL Sindelfingen wechselte.

Mit dem runden Wettkampfgerät wusste er schon immer umzugehen. „Ich war früh recht groß und hatte starke Beinmuskeln. Das Kugelstoßen und der Stabhochsprung waren meine besten Disziplinen.“ Unter den Fittichen von Peter Salzer und Artur Hoppe versuchte sich Maihöfer ab 2017 an der Drehstoßtechnik. „Das richtig zu erlernen, braucht Jahre und tausend Stöße, bis man sicher dreht.“ Ganz ideal war die Saison 2020 deswegen nicht, als der Sportler sechs Wochen auf einem Feldweg stoßen musste, geschadet hat es der Leistungsentwicklung des 19-Jährigen aber wohl auch nicht.

Doch der Sindelfinger neigt nicht zu abgehobenen Vorstellungen über die weitere Karriere. „Für mich ist es das Wichtigste, nun konstant über neunzehn Meter zu stoßen. Klar weiß ich nun, wie weit es gehen kann, aber ich muss nicht erwarten, dass ich ab jetzt immer so weit stoße.“

Deswegen blickt Maihöfer realistisch auf die nächsten Wettkämpfe. Bei den Deutschen Meisterschaften der Aktiven vom 4. bis 6. Juni in Braunschweig lautet das große Ziel Finale. „Ich will eine gute Weite abliefern und an meine Bestleistung heranstoßen“, sagt der Student der technisch orientierten BWL in Stuttgart.

Drei Wochen später geht es in Koblenz darum, den Startplatz bei der U23-Europameisterschaft zu sichern. Ende Mai wurden diese überraschend von Bergen (Norwegen) in Estlands Hauptstadt Tallinn verlegt. „National ist eine Medaille das Ziel. In Europa habe ich in der U23 bislang die sechstbeste Weite, gerade mein Jahrgang ist ziemlich stark“, weiß der VfL-Athlet.

Von den für Kugelstoßer magischen 20 Metern träumt Eric Maihöfer derweil noch nicht. „Ich muss realistisch sein. Die 19,75 Meter waren überraschend, jetzt muss ich mich so weiterentwickeln.“

Erik Maihöfer hat großes vor.

Erik Maihöfer (Bild Drechsel/SZBZ)

erstellt von Saskia Drechsel für die SZBZ am 01.06.21

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