70 Zentimeter fehlen zum großen Glück
  05.03.2021

Saskia Drechsel in der SZBZ vom 05.03.21: Knapp fünf Jahre sind seit dem letzten Auftritt von Tobias Dahm bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro vergangen, doch das Feuer brennt weiter im Sindelfinger Kugelstoßer. Er will sich unbedingt noch einmal den Olympischen Traum erfüllen. Die Spiele in der japanischen Metropole Tokio sind nun das neue Ziel. Auch wenn die vergangene Hallensaison noch weite Stöße vermissen ließ, glaubt Dahm an seine Chance

.

Ein Meter macht im Kugelstoßen der Männer einen gewaltigen Unterschied. Den zwischen guter Leistung und deutscher Spitze und noch einen Meter weiter europäischer Spitze. Für Tobias Dahm waren die 19,36 Meter, mit denen er sich bei den deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund auf Platz fünf stieß, maximal eine gute Leistung, 20-Meter-Stöße sind es, die der Sindelfinger eigentlich zeigen wollte.

Nach einem guten Einstieg beim Rochlitzer Sparkassen-Kugelstoßmeeting bereitete sich der 34-Jährige optimistisch auf seinen zweiten Hallen-Wettkampf im Rahmen der nationalen Meisterschaften vor. „Was dann im Wettkampf passiert ist, ist für mich immer noch unerklärlich. Das Einstoßen war noch gut, dann konnte ich aber mein Niveau nicht abrufen“, sagt Dahm.

Frust nach der DM

Entsprechend frustriert war er nach dem Saisonhöhepunkt. „Ich war angepisst, weil ich mich nicht für meine harte Arbeit belohnt habe. Aber ich blicke nach wie vor zuversichtlich in die kommende Freiluftsaison“, sagt Tobias Dahm, dem es in der abgespeckten Hallensaison der Leichtathleten sicherlich auch an Wettkämpfen gefehlt hat. Außerdem wäre da noch eine andere Sache: „Normalerweise passiert mir in jeder Vorbereitung irgendetwas Negatives, das zum Nachdenken anregt. Diesmal lief es aber einfach zu gut, deswegen waren wohl die Deutschen das Negative.“

Nach einer erzwungenen Pause, nach den Meisterschaften durften die beteiligten Athleten für 48 Stunden den Olympiastützpunkt in Stuttgart nicht betreten, ist Tobias Dahm schon wieder voll in die Vorbereitung gestartet. Mit seinen Trainern Artur Hoppe und Markus Reichle folgt der letzte Formschliff. Verglichen mit anderen deutschen Top-Kugelstoßern aber unter erschwerten Bedingungen. Der Sportler arbeitet nach wie vor Vollzeit vor Ort in Sindelfingen, und das morgens ab 6 Uhr, damit er sein Training pünktlich um 16.30 Uhr starten kann.

Für den Sport geht die komplette Freizeit drauf, und das schon seit mehr als einem Jahrzehnt. Doch für Tobias Dahm ist es das wert. „Solange ich noch das Gefühl habe, es geht voran und ich kann mich noch weiterentwickeln, mache ich weiter.“ Der Traum von den zweiten Olympischen Spielen tut sein Übriges. Eine große Unsicherheit bleibt aber auch für den VfL-Athleten: „Ich glaube, dass die Spiele stattfinden, aber das ist aktuell natürlich schwer zu sagen. Sicher ist aber, es wird nicht so sein wie gewohnt. Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, dass es ein Olympisches Dorf geben wird.“

„Es muss alles passen“

Nun hofft Tobias Dahm auf erste Freiluft-Wettkämpfe. „Wenn es die Option gibt, will ich früh einsteigen und vielleicht Ende April schon erste Wettkämpfe machen. Große Planungen machen aber aktuell keinen Sinn.“ Das große Ziel bleiben die Olympischen Spiele in Tokio, auch wenn eine Qualifikation alles andere als einfach ist. Die direkte Norm beträgt 21,10 Meter, rund 70 Zentimeter weiter als Dahms persönliche Bestleistung aus dem Olympiajahr 2016.

Doch auch für gute Platzierungen im World Ranking müssen Stöße über die 20-Meter-Marke her. „Um die Olympischen Spiele zu erreichen, muss alles perfekt laufen. Das wird kein Kinderspiel, alles muss passen“, weiß der 33-jährige Sindelfinger.

Doch er ist optimistisch: Die Form ist in einigen Bereichen sogar besser als die von 2016. Tobias Dahm trainiert aktuell dauerhaft auf hohem Niveau und traut sich weite Stöße durchaus zu. „Ich werde versuchen, so weit wie möglich an die Norm heranzustoßen. Die ist zwar fast unmachbar, aber das motiviert mich jeden Tag.“

Saskia Drechsel – SZBZ vom 05.03.21

 


Partner und Sponsoren