Das soll es noch nicht gewesen sein!

erstellt von SZBZ Saskia Drechsel (zuletzt bearbeitet am 25.08.2017)

Das gesamte Jahr voller Rückschläge, der Saisonhöhepunkt Weltmeisterschaften eine Enttäuschung.

Neuer Anlauf BEM 2018

Nadine Hildebrand hat eine schwierige Zeit hinter sich. Hinfallen, wieder aufstehen, die Sindelfingerin hat einmal mehr ihren Kampfgeist unter Beweis gestellt und will das auch noch ein weiteres Jahr tun.

So schnell waren internationale Meisterschaften für die 29-Jährige noch nie vorbei. Bei den Weltmeisterschaften in London war für Hildebrand bereits nach dem Vorlauf Schluss. Mit 13,14 Sekunden über die 100 Meter Hürden schied sie aus und verpasste das Ziel Halbfinale. Nichts anderes als eine Enttäuschung für die Sindelfingerin. Hatte sie sich doch eigens für den Auftritt im Londoner Olympiastadion zurückgekämpft.

Wenige Wochen vor den deutschen Meisterschaften drohte der Traum nach einem Muskelfaserriss im Oberschenkelbeuger zu zerplatzen. Hildebrand ging auf Risiko, stieg bei den deutschen Meisterschaften in Erfurt nach viel Regenerations- und wenig Vorbereitungstraining in den Startblock und zeigte mit Platz vier und 13,14 Sekunden, dass sie auf einem guten Weg nach London ist. „Mein Abschneiden in London war dann leider nix. Ich habe einen anderen Anspruch, das ist klar. Aber man darf auch nicht vergessen, dass ich wirklich ständig verletzt war, enttäuscht bin ich trotzdem“, so Hildebrand.

In London musste sie nach dem Vorlauf-Aus schneller als gewünscht mit der Tribüne vorlieb nehmen und war dort fast ganz alleine unterwegs. Der Noro-Virus hielt die deutsche Mannschaft in Atem. Schon bei ihrer Ankunft war Hildebrand in ein anderes Hotel gebracht worden, ein Treffen mit den anderen Athleten sollte man vermeiden, eine Begrüßung mit der geballten Faust schlug die deutsche Teamleitung aus Hygienegründen vor. „Es war seltsam, so wenig Kontakt zu haben, dadurch hat das Team-Gefühl gefehlt. Ich habe mir auch in meinem ganzen Leben noch nie so oft die Hände desinfiziert, wie in dieser Woche. Man will ja nicht krank werden.“

Auf die fast leere Teamtribüne traute sich Nadine Hildebrand dennoch und war hautnah dabei, als Pamela Dutkiewicz zu Bronze stürmte. „Sie ist super gelaufen, hat das Kunststück geschafft, auf den Punkt ihre Leistung abzurufen. Bei mir wäre das nicht drin gewesen.“
Nach einer kleinen Pause hat die VfL-Athletin damit begonnen, sich auf den letzten Wettkampf der Saison vorzubereiten. Beim ISTAF in Berlin, das am Sonntagnachmittag ausgetragen wird, will sie ein letztes, sauberes Rennen zeigen und sich dann in die verdiente Saisonpause verabschieden.

„Für mich war es eigentlich keine richtige Saison, ich habe ja nur vereinzelt Wettkämpfe gemacht. Eine Pause braucht mein Körper trotzdem“, weiß Hildebrand. Allein aus psychologischen Gründen. „Nach so einer enttäuschenden Saison ist die Motivation natürlich unten. Das Feuer muss wiederkommen, dann sehen wir weiter.“

Denn eigentlich will Hildebrand ihre Karriere so nicht beenden. Ursprünglich war mit Trainer Werner Späth, nach den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro noch ein weiteres Jahr geplant, doch die verkorkste Saison soll, wenn es nach der Hürdensprinterin geht, nicht der Schlusspunkt gewesen sein. „Ich muss nach dem letzten Wettkampf zuallererst mit Werner sprechen. Ohne ihn geht gar nichts“, weiß Hildebrand. In den Jahren der intensiven Zusammenarbeit hat sich das Team Hildebrand/Späth eingespielt. Ein neuer Trainer für eine letzte Saison kommt für die Sportlerin nicht infrage. „Schon im letzten Jahr haben wir aber überlegt, dass die Heim-Europameisterschaften in Berlin ein toller Abschluss wären, ich hoffe Werner hat auch noch Lust darauf.“

Bild: Drechsel


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